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Gepostet on 20 Dez 2012 in Patriarch

Weihnachtsbotschaft 2012 Seiner Seligkeit Fouad Twal

Weihnachtsbotschaft 2012 Seiner Seligkeit Fouad Twal

JERUSALEM –Während der Pressekonferenz am Donnerstag, den 20. Dezember 2011,  hat seine Seligkeit Fouad Twal seine Weihnachtsbotschaft bekannt gegeben und anschließend Fragen der Journalisten beantwortet. Der Text ist hier im Anschluss verfügbar.

 

Weihnachtsbotschaft für die Journalisten, 20. Dezember 2012

Liebe Freunde, liebe Bewohner des Heiligen Landes, liebe Migranten, ich wünsche Euch, dass ihr ein Frohes Weihnachtsfest mit den Menschen, die euch am Herzen liegen, verbringen könnt.

Liebe Journalisten, wenn ich sie heute hier empfange, dann möchte ich ihnen für ihre Arbeit danken. Ich wünsche ihnen, dass sie diese Arbeit stets mit Intelligenz und Wahrheit ausführen können. Die jüngsten Ereignisse, die uns sehr erschüttert  haben, – ich denke dabei an Gaza – haben ihren Mut gezeigt. Sie haben allen unseren Respekt.

Am Ende dieses Jahres  muss ich Ihnen sagen, die Bilanz dieses Jahres stimmt uns nachdenklich. Es gibt sowohl positive als auch weniger positive Ereignisse.

Der interreligiöse Dialog

1. Die 50 Jahre seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil geben uns die Gelegenheit zu einer Gewissensprüfung bezüglich unseres Dialogs mit dem Judentum und dem Islam. Die Tagung im letzten April, die den Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel und den Rat der Katholischen Patriarchen des Nahen Ostens zusammenbrachte, erinnerte daran, dass die Medien, die bei der arabischen Revolution eine sehr wichtige Rolle gespielt haben, für die christlichen Bürger ein Mittel sein müssen, um ihre historische Rolle in ihren jeweiligen Ländern zu übernehmen, mit den Werten der Gewaltfreiheit und der Einladung zum Dialog mit den Gläubigen anderer Religionen. Wir sind eine Minderheit, aber es wir reduzieren uns nicht auf eine Zahl.

2. Die interreligiösen Initiativen waren zahlreich und ich danke allen, die daran beteiligt waren. Diese Treffen haben jedoch die Entwicklung eines bestimmten religiösen Radikalismus nicht verhindert. Vor kurzem, Mitte November, als der Rat der religiösen Führer Israels im Beisein des Präsidenten des Staates Israel in Haifa tagte, wurde daran erinnert, dass die religiösen Führer Frieden fördern können, indem sie zusammenarbeiten. Das Schlusskommuniqué unterstreicht die Bedeutung der Achtung der Heiligen Stätten und Friedhöfe aller Religionen.

3. Der  interreligiöse Dialog kann ohne gegenseitigem Respekt keine Früchte tragen. Ich wiederhole meine tiefe Bestürzung bezüglich aller erfolgter Schändungen unserer Kirchen und Klöster. Es gilt, dieses Übel an der Wurzel zu packen, mit der Erziehung der Jugend an allen Schulen.

Ökumene

An diesem Jahresende denken wir an das, was uns Christen vereint hat:

1. Der Besuch des Russisch-Orthodoxen Patriarchen, Kirill von Moskau, Anfang November im Heiligen Land ist ein schöner Moment der Erinnerung. Sein Besuch bot die Gelegenheit, eine stärkere Annäherung zwischen den Christen zu fördern, und betonte zugleich die christliche Präsenz in Jerusalem und im ganzen Heiligen Land.

2. Ein weiterer Grund zur Freude ist das Datum des Osterfestes. In diesem Jahr hat die Versammlung der Ordinarien beschlossen, dass das Osterfest der Katholiken nach dem Julianischen Kalender am 5. Mai 2013 sein wird (außer in Jerusalem und Bethlehem wegen des Status Quo und des Zustroms der Pilger). Hierzu sollte ein Dekret  zum Inkrafttreten dieser Änderung im Jahr 2014 vom Heiligen Stuhl genehmigt werden.

3. Anlässlich des Inthronisation des koptischen Papstes Tawadros II in Kairo waren verschiedene christliche, orthodoxe, katholische und protestantische Delegationen anwesend. Sie waren im ökumenischen Geist vereint und brachten so dem in einem historisch sehr kritischen Moment  neu Gewählten ihre Unterstützung zum Ausdruck.

Historischer Augenblick und lokale Politik

1. Die Situation im Nahen Osten macht uns ratlos. Es gibt viele Sorgen und Fragen, denen wir gegenüberstehen. Wir wollen mehr Stabilität und mehr Demokratie. Die Freude an Weihnachten wird von der unglaublichen Gewalt in Syrien überschattet. Wir sind voller Mitgefühl für die Opfer und unsere Kirche beteiligt sich aktiv an der Aufnahme von 250.000 syrischen Flüchtlingen in Jordanien. Wir beten auch für Jordanien, dass es sein Gleichgewicht und seine Ratio beibehalten kann.

2. Die Entscheidung der Generalversammlung der Vereinten Nationen Palästina als Beobachterstaat anzuerkennen ist ein erster Schritt in Richtung Frieden und Stabilität in der Region. Israel wird auf Augenhöhe mit einem anderen Staat zum Wohle aller verhandeln können. Es ist absolut dringend nötig,  “eine gerechte und friedliche Lösung für die Palästina-Frage – die Ursache aller Konflikte in der Region –  zu finden“, so die Aussage der katholischen Bischöfe und Patriarchen des Nahen Ostens, bei ihrem Treffen im Libanon Anfang Dezember.

Das zweite und letzte Mandat Barak Obamas muss zu einer Zwei-Staaten-Lösung führen.

3.  Am 16. Dezember bin ich in Gaza gewesen: Ich verurteile das unmenschliche Embargo, das den Alltag von 1,6 Millionen Menschen unmöglich macht und das Gefühle der dauerhaften Feindschaft gegenüber Israel schürt.

Unsere Kirche und die Migrationsströme

1. In ihrer Gesamtheit erscheint die christliche Auswanderung rückläufig zu sein. Die Kirche versucht Wohnraum bereit zu stellen, hilft den Jugendlichen bei der Ausbildung, um leichter Arbeit zu finden,  und versucht vor allem eine Kultur und Seelsorge der  “Verwurzelung” zu verbreiten: ein Bürger des Heiligen Landes zu sein, ist eine Berufung, die Opfer und Herausforderungen beinhaltet.

2. Was die Einwanderung betrifft, so nimmt unsere Diözese viele Einwanderer auf. Dabei handelt es sich zum größten Teil um Christen. Die Kirche fühlt sich diesen Menschen sehr nahe und zögert nicht, ihre Stimme zu erheben, wenn sich diese Gemeinde angegriffen fühlt, wie es in diesem Jahr auf dem Sinai und in Tel Aviv geschehen ist. Hier besteht die dringende Notwendigkeit der Koordinierung zwischen Kirche, Staat und Nichtregierungsorganisationen.

Die Zukunft und die Projekte

Die Kirche spielt eine Schlüsselrolle im interreligiösen Dialog und in der Bildung. Deshalb setzen wir viele Bemühungen in unsere Universität in Madaba. Die Eröffnung der neuen Schule in Rameh mit Kardinal Edwin O’Brien, dem Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab, und der Kirche Stella Maris in Aqaba sind Zeichen einer guten Leistung.

Abschluss

Ich ermutige all unsere Gläubigen, dieses Jahr des Glaubens ernsthaft zu leben und die

Lehren des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens “Ecclesia in Medio Oriente” und das vom Patriarchat geförderte Programm in die Praxis umzusetzen. Die erste Gemeinde von Jerusalem kann als Vorbild für die Erneuerung der heutigen christlichen Gemeinde dienen: es bedeutet an die Ursprünge zurückzukehren, nach Jerusalem zurückzukehren.

Hier noch einige bedeutende Ereignisse, die im Jahr 2013 vor uns liegen:

– Ende April findet in Jerusalem eine internationale Konferenz über Papst Johannes XXIII, auf den das Dokument „Nostra Aetate“ zurückgeht, statt. An dieser Tagung werden einige befreundete Rabbiner und namhaften Professoren teilnehmen.

-In Rio de Janeiro wird im Sommer der Weltjugendtag stattfinden, an dem mit Freude auch unsere Jugend teilnehmen wird.

Weihnachten ist eine schöne Gelegenheit,  Freude zu teilen und unsere Dankbarkeit auszudrücken. Ich denke besonders an die Ordensleute und Geistlichen, an diese unsere Brüder und Schwestern, die mit  ihre Ausstrahlung, ihrer Berufung und Ihrem Gebet uns in unserer verantwortungsvollen Mission, mit der wir betraut sind, hilfreich zur Seite stehen.

Vielen Dank. Frohe Weihnachten an alle.

+ Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem