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Gepostet on 17 Dez 2012 in Diözese, Schulen

Eine Schule in Rameh, ein Traum wird wahr

Eine Schule in Rameh, ein Traum wird wahr

RAMEH – Die neue Schule des Lateinischen Patriarchats in Rameh (Obergaliläa) wurde am Donnerstag, den 29. November 2012 offiziell eingeweiht. Das Gebäude wurde von Kardinal Edwin O’Brian, Großmeister des Ritterordens vom Hl. Grab zu Jerusalem, und von Patriarch Fouad Twal gesegnet. Anwesend war auch Bischof Giacinto Boulos Marcuzzo, Patriarchalvikar für Israel und Initiator des Projektes über einem Zeitraum von 18 Jahren! Eine wahre Odyssee!

Die Eröffnung der Rameh-Schule war einer der Höhepunkte des Besuchs von Kardinal O’Brian im Hl. Land. Der Schulbau ist die Verwirklichung eines alten Traumes. Die Arbeit dauerte zwei Jahre (2009-2011), nachdem Papst Benedikt XVI während seiner Pilgerreise ins Hl. Land am 14 Mai 2009 bei einer Messe in Nazareth den Grundstein gesegnet hatte. Am Donnerstag, den 29. November waren bei der offiziellen Eröffnung einige Bischöfe, Priester, Ordensleute, Drusen und Muslime, anwesend, dazu eine große Zahl von Menschen aus der Welt der Kultur, viele Schulleiter aus Galiläa, die Einwohner von Rameh, die Studenten und ihre Eltern.

Rameh kann stolz auf seine Geduld sein. Es dauerte 18 Jahre, bis dieser Prozess abgeschlossen war. Das Ganze begann 1994/1995. Bischof Marcuzzo, damals junger Patriarchalvikar für Israel, erinnert sich „überwältigt gewesen zu sein vom Wunsch der Rameh Gemeinde (Drusen und Muslime) eine Schule zu bauen.“ In der Folge informierte der junge Bischof den damaligen Patriarchen, Erzbischof Michel Sabbah, der ihm den Auftrag gab, „eine Studie über die Situation der christlichen Schulen in Galiläa vorzubereiten und einen Plan für die Gegenwart und die Zukunft.“ Bischof Marcuzzo erstellte einen „Rettungsplan“ und erwähnte die Sorge des Lateinischen Patriarchats wegen einer bedeutenden Verzögerung im Bau von Schulen aller Schulstufen in Galiläa. Der Plan wurde dem Großmagisterium des Ritterordens vom Hl. Grab und Kardinal Furno, dem damaligen Großmeister des Ordens, vorgelegt, der 1995 während einer  „Inspektion“ im Hl. Land prinzipiell zustimmte.

„Zur großen Freude aller Leute“

Bischof Marcuzzo erinnert daran, dass im Juni 1995 das Projekt für eine neue Schule in Rameh für die Jahre 1999/2000 angekündigt wurde „zur großen Freude aller Leute“. Dies geschah trotz der Notwendigkeit einer neuen Schule in Kerak, die damals Priorität hatte und trotz der zweiten Intifada 2000, die die Lebenskraft der Palästinensischen Schulen zerstörte. Im Schuljahr 2005/06 wurde es gestattet, die alte Schule durch Anbau eines weiteren Stockwerkes zu vergrößern. Im Jahr 2008 machten die finanzielle Möglichkeit und die Erlaubnis des Ministeriums, eine neue Hauptschule (secondary school) zu bauen, zwei Jahre der Vorbereitung und zwei Jahre Arbeit notwendig. Bischof Marcuzzo stellte fest, „ es ist eine Odyssee, die ein Ende hat, und am Ende wird ein Traum wahr.“ Mit der Erweiterung besteht das neue Gebäude aus vier Stockwerken mit einem Vielzweckraum, der sowohl von der Pfarrei als auch von der Schule benutzt werden wird, mit Laboratorien, Klassenzimmern und Verwaltungsbüros. Die Studenten können ihre Ausbildung an der High School fortsetzen und die Familien können im Dorf bleiben. Anschließend können die Studenten ihre Studien, wenn sie das wollen, an der Universität in Haifa fortsetzen.

Emotionen

Das Dorf Rameh im nördlichen Galiläa hat 8000 Einwohner, von denen 51 % Christen, 29 % Drusen und 20 % Muslime sind. Die Schule liegt im Zentrum des Dorfes und hat eine fundamentale Rolle in der Einheit der Bevölkerung. Am Tag der Eröffnung bekannte Fr. Ilario Antoniazzi, lateinischer Pfarrer von St. Anthony, außerdem Generaldirektor der Schulen des Lateinischen Patriarchats in Israel und Koordinator der neuen Schule in Rameh, dass er von Emotionen überwältigt war, „als er Christen, Muslime und Drusen im gemeinsamen Gebet mit dem Patriarchen und dem Kardinal sah, zu dem einen Gott, den sie um die Gnade bitten, die Schule zu segnen, und den Lehrern und Schülern danken“. Heute hat die Schule 650 Schüler aus Rameh und der Umgebung. Es gibt 141 christliche Familien in der Pfarre, und es ist unsere Hoffnung, dass die neue Schule sie davon abhält, die Region zu verlassen.

Der Patriarch sagte, dass „ die Schule nicht nur ein Platz des Lernens ist, sondern auch ein Platz des Dialogs zwischen Religionen und Kulturen, der immer im Dienst des Menschen stehen muss, eine neue Brücke der Freundschaft und Liebe für alle ohne Unterschied.“ Kardinal O’Brian sagte, bewegt von dieser Brüderlichkeit: „ Ich hatte eine geschriebene Rede vorbereitet, aber als ich die Menge sah, die Gläubigen der verschiedenen Religionen, die miteinander leben in Freude und Brüderlichkeit, und den Enthusiasmus der Eltern der Schüler, legte ich meine Rede weg und mein Herz …. hat gesprochen.“

Christophe Lafontaine