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Gepostet on 26 Nov 2012 in Dialog, Interreligiöser Dialog

Die Christen von Jerusalem empfangen den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill

Die Christen von Jerusalem empfangen den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill

JERUSALEM – Am 9. November 2012 begann der erste offizielle Besuch des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill von Moskau im Heiligen Land. Er wurde am Nachmittag in Jerusalem am Jaffa Tor vom lateinischen Patriarchen Fouad Twal und weiteren zahlreichen Persönlichkeiten empfangen. 

Es ist ein außerordentlicher Besuch, der vom Außenministerium Israels als „einer der wichtigsten religiösen Besuche seit dem von Papst Benedikt XVI.“ bezeichnet wird. Zum ersten Mal seit seiner Wahl im Jahr 2009 bereist der Patriarch von Moskau und ganz Russland das Heilige Land. Zu Gast beim griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. durchquerte er die Heiligen Stätten Israels, die Palästinensischen Gebiete und Jordanien. Es gab auch hier und da ein  politisches Treffen, obwohl dieser Besuch keinen politischen Aspekt tragen sollte, wie es der Pressesprecher der russisch-orthodoxen Kirche, Vater Alexander Volkov, betonte.

Es handelt sich um eine Reise im Zeichen des Friedens, fügte Vater Alexander Volkov hinzu. Patriarch Kyrill wurde am Abend in Jerusalem von mehreren religiösen Oberhäuptern empfangen, unter ihnen der Lateinische Patriarch Fouad Twal, dem es wichtig war, präsent zu sein: „Ich wünsche mir, unser Treffen möge als ein weiterer Schritt dem christlichen wie auch ökumenischen Verständnis dienen“. Seine Seligkeit Fouad Twal traf Kyrill I. am darauffolgenden Sonnatg im griechisch-orthodoxen Patriarchat. Für den lateinischen Patriarchen bietet der Besuch des Oberhaupts der russischen Kirche die Chance, die christliche Präsenz in Jerusalem und im Heiligen Land zu stärken.

„Eine Präsenz, die aufgrund der politischen Lage ständig bedroht ist. Die beiden Patriarchen teilen gemeinsam die Sorge, dass ihre Gläubigen das Heilige Land verlassen. Kyrill I. besprach dieses Thema auch bei seinem Treffen mit Israels Präsident Shimon Peres. Die orthodoxen Christen repräsentieren heute mit 250.000 Mitgliedern in Israel immerhin die größte christliche Gemeinde im Heiligen Land. Diese russischen Christen immigrierten zahlreich  in den 90er Jahren, nach der Perestroika und dem Sturz der UdSSR, da sie vom Gesetz der Rückkehr, das allen Menschen mit jüdischen Vorfahren die Immigration erlaubte, profitieren konnten. Der orthodoxe Patriarch traf sich zu diesem Thema auch mit dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, in Ramallah.

Ein weiteres politisch-religiöses Thema, welches beim Treffen mit Shimon Peres eine besondere Rolle spielte, war die Grabeskirche. Diese wichtige Heilige Stätte des Christentums ist seit einigen Tagen Streitpunkt zwischen dem griechisch-orthodoxen Patriarchat, verantwortlich für einen Teil der Basilika, und einer israelischen Wassergesellschaft, die 1,8 Mio. Euro reklamiert. Der russisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. drohte mit der Schließung der Grabeskirche und bat den russischen Präsidenten Putin, ein fester Bekenner des orthodoxen Glaubens, um Hilfe.

Kyrill I. setzte seine Reise zur Taufstelle Christi in Jordanien und nach Amman fort, wo er König Abdallah II. traf, der auch hinsichtlich des Konflikts um die Grabeskirche von der griechisch-orthodoxen Kirche um Unterstützung gebeten wurde.

Amélie de La Hougue