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Gepostet on 23 Nov 2012 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

“Wir hoffen, dass es ein wirklich stabiler und dauerhafter  Friede wird”

“Wir hoffen, dass es ein wirklich stabiler und dauerhafter Friede wird”

GAZA-Nach dem Abkommen zwischen Israel und der palästinensischen Hamas am Mittwoch abend wurde die Waffenruhe am Donnerstag, den 22. November im Gazastreifen eingehalten. Dies beendete die einwöchige bewaffneten Auseinandersetzunge, bei der 155 Palästinenser und 5 Israelis getötet wurden. Pater Jorge Hernandez freut sich mit seiner Gemeinde.

Aus dem Gazastreifen, im Heiligen Land
Donnerstag, 22. November 2012

Mit großer Freude, und es könnte nicht anders sein, haben wir die Nachricht über die Waffenruhe, die letzte Nacht vereinbart wurde, aufgenommen. Die Bevölkerung ist hinunter auf die Straßen gegangen und sofort hörte man den Lärm des Festes. Besuche bei der Familie, bei den zerstört Häusern, die Rückkehr ins eigene Haus, egal in welchem Zustand es sich befindet,etc…. Dies alles sind Zeichen des Wunsches nach Frieden, der das Volk beherrscht.

Eine Waffenruhe war unabdingbar. Die Situation war schrecklich und gleichzeitig absurd. Wie wird man das Massaker an Unschuldigen rechtfertigen können? Denken wir an die Familie Al Dalu, eine ganze Familie getötet, „aus Versehen“? Die toten Kinder, die  Verwundeten, die psychologischen Folgen, die dies alles verursacht hat. Ich möchte wirklich nicht an der Stelle derjenigen sein, die die Verantwortung für so viele Verbrechen auf dem Gewissen haben.

Ich frage mich: Wer wird für all dies verantwortlich sein? Dieser Krieg hat ein Mass an  Hass und Gewalt hervorgebracht, die wirklich schwer zu definieren sind. Diejenigen, die einen geliebten Menschen  (Vater, Mutter oder Kind) in diesen Tagen verloren haben, werden sehr lange benötigen, um sich damit abzufinden oder sich im besten Fall davon zu erholen. Da wäre es nicht überraschend, wenn sie sich dazu entschließen würden, sich an den Tätern zu rächen. Und genau hier bewahrheitet sich der Satz “Gewalt erzeugt Gewalt”. Und das ohne Ende.

Wir wissen, die einzige Lösung ist “die Vergebung.” Unter diesen Umständen über Vergebung sprechen mag seltsam erscheinen, aber die christliche Vergebung, die Gerechtigkeit voraussetzt, ist wirklich die einzige wirkliche Lösung des Konflikts, um einen echten und stabilen Frieden zu erreichen. Nie wird man von Frieden sprechen können, ohne erste die Gerechtigkeit wiederhergestellt zu haben und nie wird man einen wahren Frieden, einen ernst gemeinten und inneren, haben, wenn man nicht vorher die tiefen Wunden des Hasses, des Grolls, des Wunsches nach Rache geheilt hat.

Unmittelbar nach eingetretener Waffenruhe, haben die Telefonate mit unseren Gemeindemitgliedern begonnen. Die Haltung dieser Leute ist wirklich erhebend: ihre Stärke und ihre Ergebenheit. Alle riefen “al-ḥamdu li-llāh!” (“Gelobt sei Gott!”) was auch “Gott sei Dank!” bedeutet und ein absolutes sich ergeben in den göttlichen Willen impliziert. Es ist eine Lobeshymne. Und diese Lobeshymne ist das erste, was man nach einer Woche dieser schrecklichen Bombadierungen hört. Es ist wirklich erhebend.

Die gleichen Leute sagen mir, dass dieser Krieg schlimmer war als der von 2009, damals gab es eine erste Bombardierung und dann sporadischen Beschuss begleitet von Kleinwaffenfeuer. In diesen Tagen hingegen das ununterbrochene Brummen der Drohnen, der F-16, der Panzer, der Apachen Hubschrauber, der beunruhigende Klang der verschiedenen Arten von Raketen und neuen militärischen Technologie haben dazu geführt, dass sie eine Situation erlebt haben “wie sie noch nie erlebt hatten”, wie sie selbst bestätigten. Der Druck war viel größer und das ist es, was wirklich verheerend ist.

Man muß zu einem  “normalen” Leben zurückkehren

Nun bleibt der Wiederaufbau. Man muß zu einem “normalen” Leben zurückkehren. Und dort treffen wir auf die anderen Folgen, die dies alles mit sich bringen wird. Denken sie z.B. darüber nach, was bei der Rückkehr in die Schule sein wird: Welches Kind wird die nötige Ruhe haben, um sich ans Lernen zu machen, nach einer Woche wie dieser?…Es wird überhaupt nicht einfach sein.

Die „Waffenruhe“ ein obligatorischer Schritt. Es bedeutet nicht, dass der Konflikt gelöst ist, aber zumindest wird es dieser Bevölkerung erlauben, zu seinem Leben in diesem “Freiluftgefängnis” zurückzukehren, was das abgeriegelte Gaza nun einmal ist.

Hoffen  wir, dass dieser Frieden wirklich stabil und dauerhaft ist. Hoffen wir, dass es wirklich den Willen dazu gibt, diesen Konflikt, der schon so vielen Menschen das Leben genommen hat, zu lösen.

Es ist meine Pflicht, mich für all die Unterstützung und die Gebete vieler, vieler Menschen auf der ganzen Welt zu bedanken, die uns  in diesen schwierigen Momenten begleitet und ihre Nähe ausgedrückt haben, insbesondere unser Patriarch Fouad Twal, der sich persönlich um die Christen in Gaza gekümmert hat. Aus ganzem Herzen wünsche ich, dass Gott jedem von ihnen das vergelte, was sie für uns tun.

Einen besonderen Dank und  Anerkennung verdienen unsere Ordensfrauen, die im Gaza-Streifen sind: die Rosenkranzschwestern aus Jerusalemer, die Missionarinnen der Nächstenliebe und Schwestern von Verbo Incarnato. Ihre Gebete und ihr Zeugnis sind ein Segen für unsere Gemeinde und Gott wird  ihnen ihre Großzügigkeit zu vergelten wissen.

In diesen Tagen haben wir um Gebete für den Frieden gebeten und unseres Herr Jesus Christus, der Friedensfürst, hat ihn uns gewährt. Und er hat ihn uns an genau dem Tag gewährt,  an dem wir das Fest der Heiligen Jungfrau, seiner Mutter, gefeiert haben. Schon sehen wir, wie Gott seine Gnade durch die immerwährende Jungfrau Maria, unserer Lieben Frau schenkt…Dinge der göttlichen Vorsehung, Dinge des Glaubens.

Ihr Heiliger Mantel segne und schütze Gaza

Pater Jorge Hernandez
Kongregation Verbo Incarnato
Pfarrer von Gaza