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Gepostet on 20 Nov 2012 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Gaza – Tag 6 nach Beginn der Offensive

Gaza – Tag 6 nach Beginn der Offensive

GAZA–Am sechsten Tag der Militäroperation Israels gegen den Gaza-Streifen erzählt der gerade wieder zu seinen Gemeindemitgliedern zurückgekehrte Pater Jorge Hernandez IVE, Pfarrer der römisch katholischen Gemeinde, von der weiter anwachsenden Angst.

Montag, 19. November 2012

Ich schreibe aus unsere Pfarrgemeinde zur Heiligen Familie im Gaza-Streifen, die mit ihren 200  Katholiken ein Teil des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem ist. Dieser Ort ist allen bekannt, genauso wie der Teil der Pfarrei, der die Kinder der Schule beherbergt – Christen und Muslime – als eine Familie.

Die bereits seit dem 10. November existierenden Spannungen im Gaza-Streifen sind allen bekannt. Sie haben sich seit Mittwoch, den 14. November noch verstärkt. Die Situation hat sich  nicht geändert, sondern von Tag zu Tag eher verschlechtert. Der Druck durch die ständigen täglichen und nächtlichen Bombardierungen wächst immer mehr um so länger der Konflikt anhält..

Der ohrenbetäubenden Lärm der Bomben, die Unsicherheit und die Angst lassen die Menschen  nicht nur eine blutige, sondern auch eine grausame und rücksichtslose Tortur sowohl auf seelischer als auch auf mentaler Ebene erleben. Es reicht z.B. den Fall eines jungen Mädchens unserer Pfarrei zu sehen, die einen Nervenzusammenbruch wegen der Bombardierungen erlitten hat. Sie ist nicht der einzige Fall, sie ist nur ein Beispiel unter den anderen. Wir können auch an die junge Cristina Wadi Al Turk erinnern, die  während des Krieges von 2008-2009 durch einen Herzinfarkt aufgrund der Kälte und der Angst getötet wurde.

Wir appellieren an alle Verantwortlichen, Gaza in Frieden leben zu lassen!

Der aufmerksame Leser wird sich fragen: wie geht es den Bewohnern? Was erleben sie? Kurzum, sie haben Angst, wie könnte es anders sein? Die Raketen verstehen weder etwas von Ethik noch von Moral. Sie unterscheiden weder zwischen jung und alt, zwischen Christen und Muslimen, zwischen Männern und Frauen…Sie fallen einfach herab und zerstören. Wenn wir die Flugzeuge und dann die Bomben hören, überkommt uns eine riesige innere Traurigkeit und einige eine enorme Erleichterung, dass sie nicht getroffen wurden. Und dann die immer gleiche Frage: “Wie lange noch?” Die Bewohner wollen nichts anderes als nur ihr Leben leben. Wir bitten alle Verantwortlichen Gaza in Frieden leben zu lassen!

Wir werden nach den Christen gefragt, die leiden. Ja, sie leiden als Christen, aber sie leiden auch als Palästinenser. Und als Palästinenser leiden sie wegen dieser ungerechten Aggression  auf die gleiche Weise wie ihre muslimischen Brüder, aber als Christen, resignieren sie und vertrauen auf die göttliche Vorsehung des Vaters, mit einem einfachen “al-ḥamdu li-llāh ” (Laus Deo! Gelobt sei Gott!). Dies lässt ihre außerordentliche Stärke erkennen, die sie charakterisiert, sie so sehr aufbaut und sie paradoxerweise strahlend aus diesem Leid hervorgehen lässt.

Unsere Mission  ist es, den Christen von Gaza nahe zu sein

Und Ihr Missionare? Wir danken Gott, dass es uns gut geht. Unsere Mission ist es, den Christen von Gaza nahe zu sein. Sie zu begleiten, mit ihnen dieses Kreuz zu tragen. Wir rufen sie an, wir ermutigen und stärken sie, indem wir ihnen lehren, was der  echte christliche Sinn des Leidens ist, d.h. die Teilnahme an den Leiden Christi. Und sie schätzen diese Geste, sie wissen, dass dies unsere Geste ist und ihnen Halt gibt. Sie flehen uns an: “Geht nicht weg…Wir würden verstehen, wenn ihr  versucht wärt, uns zu verlassen, aber es ist besser, wenn ihr bei uns bleibt. “…Dies sind ein nur ein paar der Sätze, die uns  unsere Gemeindemitglieder anvertrauen. Die bloße Tatsache zu wissen, dass sie in ihrem Leid  begleitet werden, ist eine große Erleichterung. Das  ist unsere Aufgabe.

Ich könnte noch lange darüber schreiben, was ist die innere Einstellung des Pfarrers, der Ordensschwestern und der Missionarinnen (Anm.d.Red:der Nächstenliebe)  unter diesen Umständen anbelangt. Während der Feier der Messe, der Eucharistischen Anbetung und während  des Rosenkranzes bringen wir all diejenigen dar, die leiden. Wir lernen auch, jeden Moment darauf vorbereitet zu sein,  unser Leben in die Hände des Herrn zu legen, und über das ewige Leben zu meditieren. Jede Bombe, die fällt, erhebe ein Gebet zu Gott, damit er diese armen Seelen aufnehme und Mitleid mit ihnen habe. Unsere Gedanken: Wie viele unnötige Tote! Wie viele unschuldige Tote für einen Grund, den sie nicht kennen! Wie viele Waisen und Witwen als Folge dieser Angriffe! Für jede und jeden erhebe sich ein Gebet zum Himmel.

Trösten und mitfühlen, das ist die Pflicht der Mutterkirche

Darin sind wir nicht Pioniere. Trösten und mitfühlen ist die Pflicht der Mutterkirche  und somit auch die Pflicht und Aufgabe des Priesters. Unter ihnen auch P. Manuel Musallam, der der Pfarrer dieser Gemeinde in so schwierigen Zeiten und in Zeiten des Krieges war, und auch heute mit uns ist und uns lehrt.

Es sei auch auf das aufbauende Beispiel des Mutes und die totale und bedingungslose Hingabe der Schwestern, die in unserer Gemeinde sind, und es vorgezogen haben hier zu bleiben und dieses Kreuz mit den anderen zu tragen, hingewiesen.  Es befinden sich drei religiöse Kongregationen im Gaza-Streifen: die Rosenkranzschwestern (aus  Jerusalem), die Missionarinnen der Nächstenliebe von Mutter Teresa und die Schwestern von Verbo Incarnato. Ihre Gebete und Anbetungen sind ein Segen, und Gott wird sie für ihre Großzügigkeit belohnen.

Abschließend dürfen wir nicht vergessen, wie schrecklich ein Krieg immer ist. Niemand gewinnt  in einem Krieg. Und noch mehr: man verliert immer. Jede der Parteien wird für die Folgen des Krieges  zahlen müssen, jede auf seine Weise. Folgen jeder Art, einschließlich dessen, was dem Menschen zu eigens ist,”seine Menschlichkeit”.

Unser Herr Jesus Christus “der Friedensfürst” und der barmherzige Gott beschütze dieses Volk, das er während seiner Flucht nach Ägypten aufgenommen hat, er erleuchte die Verantwortlichen und segne diese Erde mit der Gabe des Friedens.

Wir vertrauen auf eure Gebete in Christus und die Heilige Jungfrau.

Pater Jorge Hernandez
Kongregation Verbo Incarnato
Pfarrer von Gaza