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Gepostet on 17 Nov 2012 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

GAZA – Erster Bericht aus der Römisch Katholischen  Pfarrei

GAZA – Erster Bericht aus der Römisch Katholischen Pfarrei

Die lateinische Pfarrkirche in Gaza

GAZA-Wir gehören zur religiösen Gemeinschaft des Verbo Incarnato. Unsere Kongregation ist seit fast vier Jahren im Gazastreifen dauerhaft präsent, aber unsere Mission hier begann vor etwa acht Jahren. Unsere Priester arbeiten in der einzigen lateinischen Pfarrkirche in Gaza, einer der Priester ist der Direktor von den zwei Schulen, die das Lateinische Patriarchat von Jerusalem im Gaza-Streifen hat. Die Schwestern unterstützen die Priestern in der Kinder- , Jugend- und Familienseelsorge und kümmern sich um den Sakristanendienst in der Kirche der Heiligen Familie.

Die Kirche wird hier durch eine kleine römisch katholische Gemeinde von rund 200 Seelen repräsentiert , die versuchen ein einfaches Leben zu führen und inbrünstig ihren christlichen Glauben zu leben. Wir schreiben diese Zeilen, weil viele Freunde und Bekannte uns um Neuigkeiten von hier gebeten haben.

Seit letztem Sonntag leben wir in einer äußerst angespannten Situation im Gaza-Streifen, eine Situation, die sich seit Mittwoch, den 14. November verschärft hat.

Es kam zu fortdauernden Angriffen und Reaktionen. Alle Aktivitäten wurden niedergelegt. Das Bildungsministerium des Gaza-Streifens hat beschlossen, dass der Schulbetrieb für 72 Stunden eingestellt wird. Die Geschäft sind geschlossen. Die Menschen haben Angst…Gestern hatten wir den ganzen Tag und die ganze Nacht Strom, aber in der Abenddämmerung haben die Menschen wegen der Angriffe alle Lichter in ihren Häusern ausgemacht. Es scheint paradoxerweise, dass sie sich so sicherer fühlen.
Die Christen fragen uns manchmal, ob wir Angst haben hier zu sein und laden uns ein, in ihren Häusern zu bleiben. Diesmal haben wir uns selbst gefragt, ob wir vorbereitet wären, sie in der Kirche unterzubringen, falls es die Situation erfordern wird.

Einer von ihnen sagte zu uns Schwestern und Priestern: “Bitte verlasst uns nicht. Wenn ihr geht, wer bleibt dann hier bei uns?”

Viele Christen rufen uns an und fragen, wie es uns geht, ob wir etwas brauchen und bieten ihre Hilfe an. Und auch Freunde, Bekannte und Mitglieder des Diplomatischen Corps. Wir danken allen für ihre Nähe und bitten um ihre Gebete.
Die Pfarrei befindet sich in einer gefahrvollen Zone, aber, Gott sei Dank, geht es uns gut. Unsere Häuser, sowohl das der Priester als auch unser Haus, befinden sich auf dem Grund der Pfarrei und der Schule und so sollte es einer der sichersten Plätze hier sein. Diese Sicherheit beruht darauf, dass es ein für jedermann bekannter Ort ist. Ein Ort, wo Gewalt jeglicher Art, keinen Platz hat, ein Ort an dem man die Menschen zum Frieden erzieht und ein Ort, an dem man dafür arbeitet.

Wir warten, um zu sehen, was in den nächsten Stunden passieren wird…Unser Wunsch ist es weiterhin in der Nähe von so vielen Menschen, so vielen Zivilisten zu bleiben, die unschuldig an den Folgen dieser Situation leiden, insbesondere unsere Christen. Unsere Aufgabe jetzt ist vor allem sie zu begleiten, indem wir ihnen Zuspruch geben. Wir wollen ihnen auch helfen, sich an Gott zu wenden, Vergebung und den Wert des mit Christus gelebten Leidens lehren.
Unser Herr Jesus Christus, der Friedensfürst, nehme die Gebete für Gaza, die sich aus dem Gazastreifen zu ihm erheben, entgegen.

Dass Er allen die Liebe für die Gerechtigkeit, den Frieden und die Versöhnung schenke.
Dass Er alle, die leiden, trösten und die Wunden heilen möge…
dann wird der Lärm jeder Aggression erlöschen.
Und schließlich, dass er einen gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern schenken möge.

Was den Menschen unmöglich scheint, ist nicht unmöglich für Gott. Dass er die Herzen aller berühren möge, damit eines Tages – und dies möge nicht mehr lange dauern – alle Bewohner dieses Heiligen Landes als Brüder leben können. Das ist es, was Gott will.

Mutter Maria von Nazareth, SSVM, 15. November 2012