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Gepostet on 5 Nov 2012 in Feiertage, Liturgisches Leben

Betrachtungen zum Fest unserer Lieben Frau von Palästina

Betrachtungen zum Fest unserer Lieben Frau von Palästina

 Im Jahr 1927 gründete der lateinische Patriarch Louis Barlassina in Rafat,  in der Nähe des palästinensischen Dorfes “Sar’a” صرعا (das heute nicht mehr existiert), das Heiligtum „Unserer Königin von Palästina“. Selbstverständlich hatte der Name „Königin von Palästina“ nie eine politische Bedeutung, denn das Heilige Land stand zu dieser Zeit unter Britischen Mandat und wurde „Palästina“ genannt. Patriarch Barlassina wählte den 31. Oktober zum Gedenktag „Unserer lieben Frau von Palästina“, was später, im Jahr 1933, vom Heiligen Stuhl anerkannt wurde. Im Laufe der Zeit legte das Patriarchat dieses Marienfest auf den letzten Sonntag im Oktober, da die Feierlichkeiten gerade an diesem Wallfahrtsort, das nur 35 Kilometer von Jerusalem entfernt liegt, bei den arabischen Christen sehr beliebt sind. Die Priester und Ordensschwestern, die an diesem Marienort und in der Umgebung leben, erfreuen sich jedes Jahr am Festtag einer großen Schar an Besuchern aus vielen Teilen des Landes.

Der Schutz des Herrn und der Jungfrau für dieses Land

Wenn wir uns vorstellen, dass 1927 die palästinensischen Christen trotz Osmanischem und Britischem Regime wesentlich zahlreicher (und frommer) waren, und dass seit 1948 (mindestens!) drei Kriege die Heimat unseres Herrn und unserer Lieben Jungfrau geplagt haben, müssen wir nachdenklich werden. So wie die beiden Jünger von Emmaus – nicht weit von Rafat entfernt , auch auf dem Weg nach Jaffa – „hoffen“ auch wir auf Frieden und Wohlergehen (vgl. Lk 24,21).

Die göttliche Vorsehung schien jedoch andere Pläne zu haben, vor allem den Weg des Kreuzes und ein Golgotha für die Gläubigen, die Landsleute des Gekreuzigten. Wir rezitieren immer wieder, in tiefem Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit, das „Gebet zu unserer Lieben Frau von Palästina“ und bitten sie um ihren Schutz, wenngleich die Prognosen laut Homer Probleme andeuten! Zu Beginn dieses Jahrhunderts waren die christlichen Palästinenser, von Galiläa bis zum Negev, die letzten Überlebenden einer Dezimierung, die Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte zurückliegt! Heute machen sie weniger als 1,6 % der Bevölkerung der Heimat Christi aus.

Diese Überlegungen laden uns dazu ein, immer und überall und ganz besonders in der christlichen Welt die Mutter aller Kirchen nicht zu vergessen!  „Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die Zunge am Gaumen kleben“ (Ps 137,5-6). So wie der Selige Johannes-Paul II. einst Frankreich fragte: „Älteste Tochter der Kirche, was hast du aus deiner Taufe gemacht?“, so fragen wir heute die Töchter Kirchen: „Was habt ihr aus Eurer Mutter gemacht?“  Nur indem wir die Vorurteile, Sympathien und Antipathien, wie auch die Mentalität der gewählten Partei oder der Politik, die das Spirituelle zerstören, beiseite lassen, können wir der Christenheit im Heiligen Land zur Hilfe kommen, damit die Mutter Kirche nicht auf dem Boden ihrer Geburt sterben muss!

Pfarrer P. Madros