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Gepostet on 27 Sep 2012 in Aktuelles des Heiligen Vaters, Kirche, Politik und Gesellschaft, Regionalnachrichten

Papst Benedikt ruft die Christen im Nahen Osten auf, den Frieden zu fördern

Papst Benedikt ruft die Christen im Nahen Osten auf, den Frieden zu fördern

Libanon – Der Papst ist am 16. September von seiner dreitägigen Reise in den Libanon nach Rom zurückgekehrt. Kurz vor seinem Abflug hatte er sich nochmals an die politischen Führer der arabischen Staaten mit der Bitte gewandt, den Krieg zu beenden. Es folgt eine Übersicht über die  Reise Benedikts XVI. und seiner Botschaft an den Nahen Osten. 

Der Papst ist nicht hierhergekommen, um die politischen Probleme des Nahen Ostens zu lösen, sondern um eine Botschaft der Hoffnung mitzuteilen und die Christen zur Gemeinschaft aufzurufen. Er möchte die Christen dazu ermutigen, nicht zu verzweifeln, damit sie sich nicht gezwungen fühlen, ihr Land zu verlassen, um Christus treu bleiben zu können. Seine Reise war vor allem eine Reise des Glaubens.“ So Kardinal Vingt-Trois in seiner Darstellung über die Reise des Heiligen Vaters in den Libanon, wie es in der Ausgabe der französischen katholischen Zeitung „La Croix“ vom 16. September  veröffentlicht wurde.

Der Besuch des Papstes ereignete sich zu einem weltweit sehr unruhigen Zeitpunkt, als gerade Demonstrationen durch Muslime im gesamten Nahen Osten wegen des im Internet verfügbaren Films „The Innocence of Muslims” (dt.: Die Unschuld der Muslime) ausbrachen.

In dieser brisanten Situation beschreibt der maronitische Patriarch Bechara Rai sehr deutlich die  Ängste der Christen im Osten: „Wir können unsere Sorgen und Ängste, was die unsichere Zukunft angeht, vor der wir als Christen stehen, vor Ihnen, Heiliger Vater, nicht verbergen.“ Und der Patriarch fährt fort, „Ihr historischer Besuch ist wie eine Schutzschild für die christliche Gemeinschaft, die in großer Instabilität lebt und sich treu dafür einsetzt, ihre Wurzeln in ihrer Heimat zu sichern…“

Drei Tage lang rief der Papst unaufhaltsam zum Frieden im Nahen Osten auf: „Liebet die Muslime, betet für sie, sie sind eure Brüder,“ empfahl er den Bischöfen im Nahen Osten in seiner Ansprache am 15. September. Am 16. September, während der Open Air Messe in Beirut, an der rund 350.000 Gläubige teilnahmen, bat  der Heilige Vater indirekt den syrischen Präsidenten Bashar Al Assad darum, die Kämpfe zu beenden. „Möge Gott Ihrem Land (Libanon), Syrien und dem gesamten Nahen Osten den Frieden im Herzen, Waffenruhe und ein Ende aller Gewalt schenken (…) Ich rufe alle arabischen Länder auf, sie mögen als Brüder tragbare Lösungen hervorbringen, die die Würde, die Rechte und die Religion aller Menschen respektieren.“

Papst Benedikt, der bei seiner Ankunft im Libanon am 14. September noch anmerkte, dass Waffenlieferungen an Syrien eine schwere Sünde seien, konzentrierte sich in seiner Sonntagsansprache wesentlich auf die Bitte an alle Christen in der Region, sich für den Frieden einzusetzen: „Es ist dringend notwendig, in einer Welt, wo Gewalt immer weitere Opfer und Zerstörung fordert, für Gerechtigkeit und Frieden zu kämpfen, um sich einer brüderlichen Gesellschaft zu verpflichten.“

Lasst uns nicht vergessen, dass der Konflikt in Syrien laut Human Rights Watch schon bis zu 27.000 Todesopfer seit seinem Beginn vor 18 Monaten gefordert hat.

Der Papst und zweimal Arabischer Frühling

Auf die Frage zum Arabischen Frühling antwortete der Papst: „An und für sich ist der Arabische Frühling eine gute Sache“, aber er fügte hinzu, dass „diese Rufe nach Freiheit“ ein „gefährliches“ Element in sich tragen, nämlich zu vergessen, dass „menschliche Freiheit immer eine geteilte Freiheit“ bedeute, die die „Toleranz des Nächsten“ voraussetze. Demzufolge sieht der Papst für eine „Erneuerung der arabischen Würde“ keine Zukunft, wenn die arabischen Christen nicht mit einbezogen würden.

Dieser zuhöchst herausfordernde Besuch ging sichtlich über die Grenzen des Libanons hinaus. Der Papst kam, symbolisch, auch zu allen anderen Staaten im Nahen Osten. Es ist in diesem Kontext zu Verstehen, dass er daher an 15 Millionen Christen des Ostens das Apostolische Schreiben  “Ecclesia in Medio Oriente” übergab, ein wahrer Wegweiser, der fast zwei Jahre nach der Bischofssynode für den Nahen Osten (Oktober 2010 im Vatikan), kurz vor Beginn des Arabischen Frühlings, entworfen wurde.

Der maronitische Patriarch behauptete, dem Arabischen Frühling sei ein „spiritueller, christlicher Frühling“ in Form der Synode vorangegangen. Dieses 96 Seiten lange Dokument unterstreicht die historische Präsenz der Christen als ein integrales Mitglied des Nahen Ostens, einen gesunden Säkularismus, die Ablehnung der Gewalt, den Willen, Strategien zu bekämpfen, die zu einem uniformen Nahen Osten führen würden, ein transparentes Management der Kirchenfinanzen, die Aufnahme christlicher Flüchtlinge und Immigranten.

Das Apostolische Schreiben eröffnet zugleich einen wahren, interreligiösen Dialog, der auf dem Glauben an einen Gott und Schöpfer beruht. Es weist auch auf einen Ökumenismus hin, der voller menschlicher Leidenschaft sprüht und in seiner evangelikalen Wahrheit und Liebe spirituell und karitativ handelt. Der Heilige Vater drückte seinen tiefen Wunsch aus, „das Evangelium möge weiterhin in dieser Region, die so viel erlebt und so viele Worte gehört hat, nachhallen, wie es seit 2000 Jahren war.“ Allen Bischöfen, aus dem Irak wie aus dem Heiligen Land und Ägypten, wurde je ein Exemplar des Apostolischen Schreibens  übergeben, um sie an ihre Gläubigen weiterzugeben.

Christen dürfen nicht gehen

„Es scheint eine Vorsehung zu sein, dass die Unterzeichnung des Apostolischen Schreibens genau auf das Fest der Kreuzerhöhung fällt. Der Beginn dieses Festes stammt aus dem Jahre 355 n. Chr., als die Auferstehungsbasilika, die auf Golgotha und dem Grab Jesu gebaut worden war, eingeweiht wurde (…). Im Lichte des heutigen Festes und mit Blick auf eine höchst erfolgreiche Umsetzung des Apostolischen Schreibens möchte ich euch alle einladen, keine Furcht zu haben, in Wahrheit zu leben und einen reinen Glauben zu nähren. Dies ist die Botschaft des glorreichen Kreuzes.

Der Vatikan ist besonders über den Exodus der Christen aus dieser Region besorgt. Sie repräsentieren nur 5% der Bevölkerung, verglichen mit den 20% vor einem Jahrhundert. Ebenso ermahnte der Papst die Katholiken, nicht das Land ihrer Vorfahren zu verlassen: „Während einige einheimische Christen des Nahen Ostens das Land ihrer Vorfahren, ihrer Familien, ihrer Glaubensgemeinschaft aufgrund von Notwendigkeit, Überdruss oder Verzweiflung verlassen, entscheiden sich andere voller Hoffnung dazu, in ihrem Land und ihrer Gemeinschaft zu bleiben. Ich ermutige sie, ihre Treue zu stärken und im Glauben stark zu bleiben.“

Am ersten Tag seines Besuches hatte der Papst empfohlen, Juden, Christen und Muslime sollten nicht religiösem Fundamentalismus erliegen, den er für eine fatale Bedrohung hält.

Libanon als Modell

Am 15. September ließ der Heilige Vater nochmals vor politischen, religiösen und kulturellen Führern verlauten, dass „religiöse Freiheit ein fundamentales Recht“ sei. Er rief Libanon auf, als „Beispiel“ friedlicher Koexistenz zwischen Religionen zu dienen. Die Äußerungen des Papstes legen den Libanesen eine große Verantwortung auf. Gezeichnet durch die Erinnerung an den interreligiösen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990, ist Libanon mit seinen vier Millionen Einwohnern in Christen – ein Drittel der Bevölkerung und untereinander gespalten in ein Dutzend von Kirchen – und die muslimische Mehrheit geteilt. Diese letztere besteht aus Schiiten, Sunniten, Alawiten und Drusen.

Christophe Lafontaine