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Gepostet on 10 Sep 2012 in Kirche

Das Heilige Land gedenkt Kardinal Martini

Das Heilige Land gedenkt Kardinal Martini

 

Die Begräbnisfeier für Kardinal Carlo Maria Martini fand am Montag, den 3. September, um 16 Uhr im Mailänder Dom statt. Der Kardinal hatte sich entschieden, seinen Ruhestand von 2002 bis 2008 in Jerusalem zu verbringen. Er hinterlässt im Heiligen Land das Zeugnis einer „außergewöhnlichen Diskretion“. Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem vereint sich im Gebet mit den Gläubigen in Mailand.

Seine Seligkeit Patriarch Fouad Twal hat in einem Telegramm seine Anteilnahme ausgedrückt und seine Gebete versichert. Im Namen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem möchte er die Erinnerungen an den Kardinal würdigen. Im Jahr 2002, nachdem er in den Ruhestand getreten war, entschied sich der Kardinal, einige Jahre in der Heiligen Stadt zu verbringen, die er zuvor schon viele Male besucht hatte, und blieb bis 2008 am Päpstlichen Bibelinstitut von Jerusalem. Jerusalem war für ihn die Stadt seiner spirituellen Wurzeln und seiner lebenslangen Hingabe in der Erwartung des Reich Gottes, des himmlischen Jerusalem.

Patriarch Twal hob hervor, dass „der Kardinal ein zurückgezogenes Leben gewählt hatte, ohne sich in die Angelegenheiten und das Leben der Diözese einzumischen.“ Weiter unterstrich der Patriarch die „Weisheit des Kardinals“, der „ungeachtet seines weltweiten Ansehens es vermieden hat, seine Meinung zu politischen Aspekten zu äußern, und es vorgezogen hat, seine Zeit dem Gebet, Exerzitien und der biblischen Exegese zu widmen.“ Aus diesem Grund, so  der Patriarch an, „war die Präsenz des Kardinals für die Christen im Heiligen Land von besonderem spirituellen Wert.“

Viele Priester erinnern sich gerne an seine Liebe zum Wort Gottes, die er einst in seinen Exerzitien über die „Lectio Divina“ im Lateinischen Patriarchat zum Thema wählte .

Ganz persönlich erinnert sich der Patriarch , der damals Koadjutor war, dass der Kardinal bei allen Versammlungen in der Nunziatur und im Patriarchat immer „einen brüderlichen Blick mit einem klaren Verständnis seiner Mission hatte.“ Der Kardinal war auch bekannt für sein diszipliniertes und organisiertes „Lebensprogramm“ und für seine Großzügigkeit. Die Zeit seines Ruhestands und die Urheberrechte seiner Veröffentlichungen wurden ganz besonders an die Christen im Heiligen Land gespendet.

„Wir können ihm danken, indem wir ihn in unsere Gebete einschließen“, sagte der Patriarch, „und wir bitten ihn, vom Himmel aus für unser Heiliges Land zu beten, das er so sehr geliebt hat.“ Weihbischof G.B. Marcuzzo, Patriarchalvikar in Israel, der sich  in Mailand auf einem interreligiösen Kongress für Jerusalem befand, vertrat auf der Beerdigung das Lateinische Patriarchat und die Kirche des Heiligen Landes. Am 6. September zelebrierte Patriarch Fouad Twal für Kardinal Martini, der ein so enger Freund des Heiligen Landes war, eine Messe auf diesem Kongress.

Der Jesuit Kardinal Martini war Rektor am Päpstlichen Bibelinstitut  und an der Päpstlichen Gregorianischen Universität in Rom bevor er 1979 Erzbischof von Mailand wurde, und 1983 Kardinal. 2002 ging er in den Ruhestand nach Jerusalem und veröffentlichte „Il cammino verso Gerusalemme“. Die Texte in diesem Buch erklären zum einen die Entscheidung des Erzbischofs von Mailand in Jerusalem zu leben, zum anderen die Bedeutung Jerusalems für jeden Christen (Pilgerreise zu den Quellen des Glaubens; Jerusalem, eine Stadt zwischen Erde und Himmel; Jüdisch-christliche Beziehungen; Frieden auf den Mauern der Stadt).

Christoph Lafontaine