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Gepostet on 22 Aug 2012 in Dialog, Interreligiöser Dialog

Botschaft zum Ende des Ramadan  des Päpstlichen Rats für Interreligiösen Dialog

Botschaft zum Ende des Ramadan des Päpstlichen Rats für Interreligiösen Dialog

Der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog hat zum Abschluss des Ramadan zum Fest Eid al Fitr (Fastenbrechen) an die muslimische Gemeinde eine Botschaft verfasst, in der es besonders um die Erziehung junger Christen und Muslime zu mehr Frieden und Gerechtigkeit geht. Wir veröffentlichen hier die gesamte Botschaft vom 3. August 2012.

PÄPSTLICHER RAT FÜR DEN INTERRELIGIÖSEN DIALOG

Botschaft zum Ende des Ramadan

Id al-Fitr 1433 H. / 2012 a.d.

 Die Erziehung junger Christen und Muslime zu mehr Frieden und Gerechtigkeit 

Liebe muslimische Freunde,

Das Fest „Eid al Fitr“ , welches das Ende des Monats des Ramadan feiert, gibt uns den freudigen Anlass, Euch im Namen des Päpstlichen Rats für Interreligiösen Dialog unsere herzlichen Wünsche zu überbringen.

Wir freuen uns mit Euch über diese privilegierte Zeit, die Euch die Möglichkeit schenkt, Euren Gehorsam gegenüber Gott anhand von Fasten und anderen religiösen Übungen zu stärken, was auch wir Christen sehr wertschätzen.

Deshalb sehen wir es dieses Jahr so besonders wichtig, uns gemeinsam auf die Bildung unserer jungen Christen und Muslime zu konzentrieren, damit eine Erziehung zu mehr Frieden und Gerechtigkeit, untrennbar von Wahrheit und Freiheit, gelingen kann.

Wenn Bildung der gesamten Gesellschaft als Aufgabe übertragen wird, ist es zunächst und vor allem die Leistung der Eltern, und mit ihnen der Familien, Schulen und Universitäten, nicht zu vergessen aller Verantwortlichen des religiösen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens, und der Welt der Kommunikation.

Es ist ein großes Unternehmen, wundervoll und schwierig zugleich: Kindern und jungen Erwachsenen dabei zu helfen, ihre Talente, die sie vom Schöpfer empfangen haben, zu entdecken und zu entfalten, und verantwortungsvolle zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. hat vor kurzem über die Aufgabe von Erziehern folgendes geschrieben: „Aus diesem Grund brauchen wir heute mehr denn je authentische Zeugen, und nicht einfach Menschen, die bloß Vorschriften und Fakten austeilen… Ein Zeuge ist ein Mensch, der das Leben (vor-) lebt , von dem er andere überzeugen möchte.“ (Botschaft zum Weltfriedenstag 2012) Lasst uns letztendlich nicht vergessen, dass die jungen Menschen für ihre Bildung und dafür, einen Sinn für Gerechtigkeit und Frieden zu entwickeln, selbst verantwortlich sind.

Gerechtigkeit wird zuallererst durch die Identität der menschlichen Person definiert, die in ihrer Gesamtheit geachtet werden muss; sie kann nicht auf ihre kommutative und distributive Dimension reduziert werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Gemeinwohl nur mit Solidarität und Nächstenliebe erreicht werden kann. Wenn wahre Gerechtigkeit in Freundschaft mit Gott gelebt wird, vertieft sie für uns Gläubige unsere Beziehung zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zur gesamten Schöpfung. Dadurch bezeugen wir, dass Gerechtigkeit ihren Ursprung in der Tatsache hat, dass alle Menschen von Gott geschaffen und dazu berufen sind, eine Einheit und eine Familie zu werden. Solch eine Sichtweise, die vollen Respekt für Vernunft und Aufgeschlossenheit zu Transzendenz vereint, drängt alle Menschen guten Willens, ihre Rechte und Pflichten in Einklang zu bringen.

In unserer heutigen Zeit, die so von Qual gezeichnet ist, scheint eine Friedenserziehung der jungen Menschen immer dringlicher. Um sich dieser Aufgabe fachgerecht anzunehmen, muss zunächst die wahre Natur des Begriffs „Frieden“ verstanden werden: Frieden limitiert sich nicht auf die bloße Abwesenheit von Krieg, oder auf das Gleichgewicht zweier oppositioneller Kräfte, Frieden bedeutet gleichzeitig Geschenk Gottes und Werk des Menschen, welches es immer wieder neu zu erarbeiten gilt. Frieden ist Frucht von Gerechtigkeit und von Menschenliebe. Es ist wichtig, dass wir Gläubige immer aktiv bleiben in den Gemeinden, denen wir angehören: indem wir Nächstenliebe, Solidarität, Zusammenarbeit und Brüderlichkeit praktizieren, können wir wesentlich dazu beitragen, die enormen Herausforderungen der heutigen Zeit anzugehen: ein harmonisches Wachstum, eine integrale Entwicklung, Prävention und Resolution von Konflikten, um nur einige davon zu nennen.

Zusammenfassend möchten wir alle jungen muslimischen und christlichen Leser dieser Botschaft ermutigen, sich weiter für Wahrheit und Freiheit einzusetzen, um wahre Helden der Gerechtigkeit und des Friedens zu sein und eine Kultur aufzubauen, die die Würde und Rechte aller Bürger schützt. Wir wünschen diesen jungen Menschen die notwendige Geduld und Beharrlichkeit, um diese Ideale zu erreichen, niemals zweifelhafte Kompromisse einzugehen, enttäuschende Abkürzungen zu nehmen oder Mittel zu ergreifen, die wenig Respekt für die menschliche Person entgegenbringen. Nur Männer und Frauen, die von diesen hohen Erwartungen wahrhaftig überzeugt sind, werden in der Lage sein, eine Gesellschaft aufzubauen, in der Gerechtigkeit und Frieden Realität sind.

Möge Gott die Herzen aller Familien und Gemeinden, die den Wunsch hegen, „Instrumente des Friedens“ zu werden, mit Freude und Hoffnung füllen!

Euch allen ein frohes Fest!

Aus dem Vatikanstaat am 3. August 2012

Kardinal Jean-Louis Tauran

Präsident

Erzbischof Pier Luigi Celata

Sekretär