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Gepostet on 10 Aug 2012 in Publikationen, Vertiefung

Christliches Knessetmitglied fordert Anklage vor Gericht für Ben-Ari

Christliches Knessetmitglied fordert Anklage vor Gericht für Ben-Ari

Rivlin zu Ben- Ari: Bring nicht die Knesset in Verruf; Parlamentsmitglied  der Nationalen Union zerriss Neues Testament, macht es für den Tod von Juden verantwortlich. Von Lahav Harkov, für die Jerusalem Post.

Generalstaatsanwalt Yehuda Weinstein sollte Anklage wegen Aufhetzung gegen das Knessetmitglied Michael Ben-Ari (Nationale Union) erheben, der das Neue Testament zerrissen und in den Papierkorb geworfen hat, meint Hanna Sweid, der einzige Christ in der Knesset. „Das ist Hooliganismus, Schikanierung und ein apokalyptischer Akt des Hasses, der haltlos und unnötig war,“ sagte Sweid der Jerusalem Post nachdem Ben-Ari das Buch zerrissen hatte, das von einer messianischen jüdischen Organisation an alle 120 Parlamentsmitglieder geschickt worden war. „Das zeigt die Kultur eines Menschen, der für die Nationen und Religionen dieser Welt gefährlich ist.“

Sweid, ein Parlamentsmitglied der arabisch-jüdischen sozialistischen Fraktion Hadash, beschwerte sich beim Ausschuss der Knesset für Ethik, sagte aber, er habe keinen Zweifel daran, dass Ben-Ari nicht wirksam bestraft bzw. ihm seine parlamentarische Immunität entzogen würde. Er äußerte sich  auch skeptisch, ob die Generalstaatsanwaltskanzlei seiner Forderung Beachtung schenken würde, obwohl er am Dienstag Ben-Aris Handlung als „Verhetzung“ beschrieben und die Sorge geäußert hatte, sie könne die Öffentlichkeit gegen die Christen „aufwiegeln“. „Ich hoffe, dass Ben-Ari eine Minderheit repräsentiert, und dass diese Art von Verhetzung nicht mehr vorkommen wird,“ seufzt Sweid. Sweids Meinung nach „unterstützen evangelikale Christen Ben-Aris Weg der Besatzung und der Siedlungen. Ich hoffe, dass sie nun endlich erkennen, mit wem sie es da zu tun haben.“ Sweid bekundete zudem seine Enttäuschung darüber, dass nicht mehr Entsetzen gezeigt wurde, klagte aber auch gleichzeitig nicht diejenigen an, die nicht ihre Stimme gegen Ben-Aris Handlung erhoben haben. Trotzdem betonte der Hadash-Parlamentarier, wenn sich die Öffentlichkeit nicht geschlossen gegen Ben-Ari stellt, würde dieser weiter ermutigt bleiben. Gleichzeitig dankte Sweid dem Knesset-Sprecher Reuven Rivlin für seine „edelmütige und mutige“ Verurteilung von Ben-Ari am Mittwoch im Plenum. „Ich verurteile jede Art von Respektlosigkeit gegenüber Heiligen Schriften jeglicher Religion, das Zerreißen des Neuen Testamtes gestern durch ein Knessetmitglied miteingeschlossen,“ sagte Rivlin. „Jedes Heilige Buch ist für seine Gläubigen wichtig.“

„Wenn ein Parlamentarier eines anderen Landes die Torah verbrennen und diese eine Provokation nennen würde, so würde die Welt sie oder ihn auch verurteilen,“ meinte der Knesset-Sprecher weiter. „Demokratie steht für freie Meinungsäusserung, aber das ist nicht Anarchie, und Glaubensfreiheit und das Recht auf freie Ausübung der Religion ist eines unserer Grundrechte in diesem Land,“ fügt Rivlin hinzu.

Am Dienstag hatte Ben-Ari eine Kopie des Neuen Testaments zerrissen, die die Bibel und das Neue Testament in einem Band vereinte und die von der Bibelgesellschaft Israels, einer messianischen jüdischen Institution für Forschung, Veröffentlichung und die Verbreitung Heiliger Schriften, an alle 120 Knessetmitglieder geschickt worden war.

Rivlin lehnte Ben-Aris Bitte ab, am Mittwoch im Plenum eine Antwort zu geben und ermahnte ihn, die Knesset nicht in Verruf zu bringen. Aber der Parlamentarier der Nationalen Union brachte seine Meinung zu dieser Sache klar und deutlich zum Ausdruck. „Millionen von Juden wurden umgebracht im Namen des Neuen Testaments, dieses empörende Werk brachte uns Juden Massaker während der (Spanischen) Inquisition und durch die ganze Geschichte,“ erklärte Ben-Ari. Seiner Meinung nach war es die Absicht der Bibelgesellschaft, „die Leichen von Millionen von Märtyrern mit Füssen zu treten, die für ihr Judentum sterben mussten.“

Und was die Behauptung angeht, Christen würden die Rechten unterstützen, so beschuldigte Ben-Ari den Likud, Spenden von den Evangelikalen Christen anzunehmen und bekräftigte, dass er, wie sein ideologischer Vorgänger Kach-Führer Rabbi Meir Kahane, nicht einen Cent von Nicht-Juden annehmen würde. Der Likud lehnte es ab, dies zu kommentieren. Ben-Ari zeigte keinen Zweifel daran, dass er richtig gehandelt habe und rief alle anderen Knessetmitglieder auf, auch das Neue Testament in den Mülleimer zu werfen. Nach Rivlins Verurteilung in der Knesset stellten sich mehrere Mitglieder im Plenum auf Seiten Ben-Aris bzw. gegen ihn. Knessetmitglied Nissim Ze’ev (Shas Partei) sagte, die Kopien des Neuen Testaments seien von „Heretikern“ geschrieben worden, damit meint er Messianische Juden, und müssten daher verbrannt werden. Er fügte hinzu, dass eine von einer reformierten weiblichen Rabbinerin verfassten Torah auch verbrannt werden müsste. Ze’ev verurteilte missionarische Aktivitäten und nannte die Sendung der Bücher an die Knesset eine sinnlose „Provokation“. Andere Knessetmitglieder drückten ihre Empörung für Ben-Ari aus.

„Ich habe auch eine Kopie des Neuen Testaments per Post erhalten, aber ich würde nicht daran denken, sie zu zerreißen oder sie zu verbrennen,“ sagte Knessetmitglied Masud Gnaim (Vereinte Arabische Liste-Ta’al), und nannte Ben-Ari und Ze’ev Rassisten. „Als Moslem respektiere ich alle Heiligen Bücher jeder Religion.“ Knessetmitglied Ahmed Tibi brach am Mittwoch eine Knessetregelung, indem er ein Photo von Kahane mit auf das Plenumspodium brachte und es mit den Worten zerriß, Kahane sei für Ben-Aris Aktion verantwortlich. Dr. Christian Bühler, Direktor der Internationalen Christlichen Botschaft in Jerusalem, sagte, Ben-Aris Tat habe „unnötigerweise die ganze Situation entflammt und war eindeutig ein Akt, um öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.“ „Wir sind uns sicher, dass er nicht die Mehrheit der Israelis repräsentiert, die solch einen unruhestiftenden Akt verabscheut und Respekt zeigt für die heiligen Schriften anderer Glaubensrichtungen,“ fügt Bühler hinzu.

Bischof Boulos Marcuzzo, Vikar des Lateinischen Patriarchats in Israel, hat diese Tat streng verurteilt. „Ich spreche nicht nur im Namen der Katholischen und Lateinischen Kirche Israels, sondern auch im Namen aller hier lebenden christlichen Gemeinschaften. Wir bringen unsere ganze Abneigung zum Ausdruck und verurteilen die Handlungen von Ben-Ari. „Alle christlichen Gemeinschaften sind von dieser Sache empört. Es gibt absolut keine Rechtfertigung für diese Tat. Dies ist eine Heilige Schrift und so mit ihr umzugehen ganz und gar unmoralisch. Es verstößt gegen religiöse Werte, die gegenseitigen Respekt fordern. Wir bitten andere nicht, unsere religiösen Werte zu teilen, jedoch sie zu respektieren.“ Ben-Aris Schändung verstößt auch gegen Werte der Demokratie, stellt der Bischof klar. „Wir müssen andere respektieren, vor allem die Minderheiten und die anderer Religionszugehörigkeit. Es ist unfassbar, dass sich ein Mitglied der Knesset in der Knesset selbst und vor der Presse solch eine unvertretbare Aktion leistet. Es ist eine Provokation für alle Christlichen Gemeinschaften in Israel, im Nahen Osten und in der ganzen Welt.“

Jeremy Sharon hat zu diesem Artikel beigetragen.