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Gepostet on 18 Jul 2012 in Aktuelles aus der Diözese, Diözese

Ikonographie für die Einheit

Ikonographie für die Einheit

Jerusalem – Im zweiten Jahr in Folge fand im Konvent von St. Saviour in Jerusalem ein Intensiv-Kurs im Ikonen-Malen statt. Unter der Führung von Andres Bergamini entschieden sich 19 Studenten dafür, sich auf diese heilige Kunst einzulassen: ein wahrer Weg zur Einheit.

Am 4. Juli war die Arbeit vollendet, die Studenten der Ikonographie kehrten in ihre Heimat zurück. Zehn Tage lang praktizierten sie die Kunst des Ikonen-Malens. Zwölf von ihnen waren Anfänger und widmeten sich dem „Pantokrator“; die sieben Fortgeschrittenen, die schon den Kurs im Vorjahr besucht hatten, arbeiteten an der Ikone „Mutter Gottes“. Ungeachtet des Niveaus der Studenten ermöglichen diese Kurse jedem, Ikonen herzustellen angeleitet von einer Pädagogik, die Fortschritt im Design und in der Handhabung der Werkzeuge zum Malen ermöglicht. Es geht nicht darum, gut im Zeichnen zu sein, sondern eine innere Sehnsucht zu haben, die nach einer Schöpfung im Gebet verlangt. „In diesem Jahr war der Anfängerkurs so begehrt, dass leider nicht alle Bewerber genommen werden konnten“, sagt Andres Bergamini, der Kursleiter.

Unter den Teilnehmern aus verschiedenen Ländern (Italien, Spanien, Mexiko, Argentinien, Peru, Syrien, Jordanien) waren eine Reihe von Seminaristen der Neo-Katechumenen, sieben Franziskaner, fünf Schwestern der Hl. Dorothea, eine Schwester der Passionisten, eine Schwester der Hl.Elisabeth, ein Mitglied der jüdischen Sprachgemeinde. Ginetta Aldegheri, eine italienische Studentin aus dem Fortgeschrittenenkurs, war sehr angetan von der „schönen Umgebung, wo man sich wirklich zu Hause fühlt und anderen Gemeinschaften begegnet.

Andres Bergamini wurde von zwei anderen erfahrenen Lehrern der Ikonographie unterstützt: Lella und John Paul. Zu lernen wie man eine Ikone malt, ist ein Abenteuer. Ein spirituelles Abenteuer. Die Kunst der Ikone steht neben allem praktischen Nutzen im Dienst der Kirche, um die Menschwerdung und Auferstehung von Jesus durch Zeichen und exakte Farben zu verkünden. In Jerusalem, der Stadt der Erlösung, hat diese Dimension der Verkündigung der „Frohen Botschaft“ eine besondere Bedeutung. Und wirklich überlegt Andres Bergamini: „Jerusalem ist ein einzigartiger Platz für Ikonen. Hier gibt es eine hohe Sensibilität auf Grund der Präsenz der verschiedenen östlichen Riten. Sogar die katholische Kirche hat während der vergangenen dreißig Jahre die Ikonen wieder entdeckt, mit einem großen Interesse am Lernen. Ikonen werden zum Beispiel sehr viel vom Katechismus benutzt.“

Mit einem Wort, der Westen entdeckt die Ikone und die Ikone entdeckt den Westen. Wenn man diesem leidenschaftlichen Ikonenmaler zuhört, versteht man, warum die Ikonen das Kirchengut der gesamten Kirche sind. Sowohl der Osten als auch der Westen haben dazu beigetragen. Es ist in mancher Hinsicht eine Brücke der Einheit dank der religiösen Kunst. Viele Westliche finden genau die Ikone, die ihnen Unterstützung im Glauben und im Gebet schenkt. Rafael, ein Kursbesucher, ein Franziskaner melkitischer Herkunft, sagt: „Ich habe immer gerne gezeichnet. Ich bin griechisch-melkitisch, und in unserer Kirche repräsentiert die Ikone ein lebendiges Abbild von Christus. Wie ein Tabernakel. Darum küssen wir die Ikonen. Ich hatte schon immer den großen Wunsch, eine Ikone zu malen und bin mir der Heiligkeit dieses Gegenstandes bewusst. Es ist eine große Freude, hier zu sein. Die Ikone verkörpert die Person.“

Die Kunst drückt ein Gebet aus.

Das ist das Herz des heiligen Gegenstandes: die Begegnung mit dem Bild endet nicht im Betrachten, sondern führt notwendigerweise zur Verbindung mit dem Dargestellten, sodass die Person die Vision des Göttlichen teilen kann. Der Gläubige, der vor einer Ikone betet, bewegt sich auf eine spirituelle Verbindung, eine Verbindung mit Gott zu. Eine Frage stellt sich: „Woran denken Sie, während Sie eine Ikone malen?“ Ein Student antwortet, „Ich denke besonders an jene, die vor dieser Ikone beten werden. Jetzt bin ich das, später sind es alle.“ Die Ikone selbst wird dann ein Symbol dieser Einheit von Gläubigen, die in der Kirche als dem mystischen Körper von Christus versammelt sind: Dass sie eins werden, wie wir eins sind: Ich in Ihnen und Sie in Mir, dass sie vollkommen eins sein können. (Jn 17, 22-23)

Amélie de La Hougue und Christophe Lafontaine