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Gepostet on 9 Jul 2012 in Neuigkeiten des Ordens, Orden vom Heiligen Grab

Ritterorden vom Heiligen Grab: die Knappen, der „Jugendzweig“ der französischen Statthalterei

Ritterorden vom Heiligen Grab: die Knappen, der „Jugendzweig“ der französischen Statthalterei

Die französische Statthalterei des Ordens vom Heiligen Grab errichtete 1966, auf experimenteller Basis, die Bewegung der Knappen, im Besonderen Jungen und Mädchen (diese tragen die Bezeichnung „Maid“) unter 27 Jahren. Ihre Verpflichtung ist nicht endgültig. Es ist eine Zeit, in der sie in der Ausbildung ihre Berufung erkennen können, ob sie als  Ritter/Damen dem Orden vom Heiligen Grab beitreten wollen. Wir interviewten einen von ihnen: Paul Giraud, ein Rechtsanwalt, 26 Jahre.

  • Wie haben Sie den Ritterorden vom Heiligen Grab kennnen gelernt?

Ich lernte den Orden durch einen meiner Freunde kennen, der sich am Ende seiner Studien engagieren wollte und an die Knappen herantrat, um die Bewegung kennen zu lernen. Beeindruckt von seinen Erkenntnissen überzeugte er zwei seiner Freunde (ich trat im September 2008 der Bewegung bei). Ich wiederum wurde überzeugt durch den Mut der Führer dieser Bewegung (Prior und sein Ritter-Assistent), aber auch die Ritter, die ich näher kennen lernte: so blieb ich. Bis jetzt ist die französische Statthalterei die einzige, die die Verpflichtung als Knappe und Maid anbietet. Wir sind 60 Knappen und setzen uns aus drei Gruppen in Paris, einer in Lyon, einer in Poitiers, einer jungen Gruppe in Bordeaux und einigen einzelnen Knappen zusammen.

  • Wann und warum haben Sie beschlossen, ein Knappe in der französischen Statthalterei des Ordens zu werden?

Bevor wir den Knappenmantel erhalten, der unsere Verpflichtung den Christen im Hl. Land gegenüber symbolisiert, werden wir über die Knappenbewegung und den Orden informiert, in dem wir an allen Aktivitäten teilnehmen (monatliche Treffen, Fundraising, Verkauf von Grußkarten, Tagespflege, Zeremonien des Ordens). Diese Zeit erlaubt es uns, mit dem Orden vertraut zu werden und herauszufinden, ob diese Bindung für uns passt. Die Überreichung des Mantels ist das Zeichen, dass wir als Knappen willkommen sind. Ich erhielt den Mantel nach ein ein halb Jahren, im Juni 2010.

  • Was ist der Zweck?

Es ist eine Verpflichtung zu Gunsten der Christen im Hl. Land, für die Bedeutung ihres Zeugnisses in dem Land, in dem Christus Mensch geworden ist, weil es die Liebe Gottes zum Menschen zeigt, aber auch ein großes persönliches Interesse in die Geopolitik dieses Gebietes. Darüber hinaus finde ich die prägende Gemeinschaft für mich passend. Sie basiert auf drei Dimensionen: dem Gebet (persönlich und in der Gemeinschaft – jede Gruppe betet das Komplet am Ende der monatlichen Treffen), der  Ausbildung und der Handlung für die Christen im Hl. Land.

  • Was genau sind Ihre Aktivitäten für die Christen im Hl. Land auf Ihrer Stufe?

Unsere Aktivitäten zu Gunsten der Brüder und Schwestern im Hl. Land sind folgende:

  • Teilnahme an organisierten Sammlungen durch den Orden nach Gottesdiensten;
  • Die Herstellung, Verteilung und ( mit Rittern)der Verkauf von Grußkarten. Einige Pariser Knappen wählen Bilder aus und legen sie zur Genehmigung dem Orden vor, bevor sie an Mitglieder und Unterstützer des Ordens verkauft werden. Alle Knappen nehmen am Verkauf teil, sowohl im Kreis ihrer Bekannten als auch am Ende der Gottesdienste im November, Dezember und Jänner.
  • Die Organisation eines Wohltätigkeitskonzertes einmal im Jahr (erstmals 2011, das zweite in diesem Jahr).

Einmal im Monat haben wir ein Treffen. Es beginnt mit dem Singen des Veni Creator , um unsere Zeit des Gebets zu erfüllen und Betrachtungen über den Schutz des Hl. Geistes anzustellen. Darauf folgt eine katechetische Ausbildung (15 – 20 Minuten) zu einem festgelegten Jahresthema (dieses Jahr: die Freiheit der Söhne Gottes), die abwechselnd von einem von uns vorbereitet wird. Unser Prior greift dann das Thema auf, vervollständigt es und eröffnet die Diskussion. Anschließend folgt Information über aktuelle Ereignisse des lateinischen Patriarchats im vergangenen Monat (Politik in der Region, religiöses Leben der christlichen Gemeinden im Hl. Land)– früher genannt: “eine Viertelstunde im Hl. Land“; auch diese wird von einem von uns vorbereitet. Das gemeinsame Abendessen ermöglicht es uns, verschiedene Wohltätigkeitsprojekte, die  wir organisiert oder an denen wir teilgenommen haben, anzusprechen. Abschließend beten wir das Komplet.

  • Hoffen Sie, ein Ritter zu werden?

Die Knappen sind nicht Teil des Ordens vom Hl. Grab. Nur die Einkleidung oder Investitur markiert den Eintritt in den Orden. Das ist keine sinnlose Unterscheidung, der Weg der Knappen ist klar. Wir gehen gemeinsam mit dem Orden und nehmen an seine Aktivitäten teil mit folgender Absicht: unseren Brüdern im Hl. Land – spirituell und materiell – zu helfen, christlich zu leben, unsere Verbindung mit Christus zu vertiefen und zu erkennen, ob es unsere Berufung ist, dem Orden beizutreten. Als ein rein persönliches Beispiel: die Tatsache, dass die Knappenbewegung diesen Prozess der Erkenntnis zulässt, ist wertvoll für mich, weil es die Schönheit der Verpflichtung, dem Orden mit der Investitur beizutreten, verstärkt. Da ist nichts Automatisches: alles ist innere Freiheit und die Annahme des göttlichen Planes. Auf diese Weise erlebe ich die Zeit, die ich mit den Knappen verbringe, als eine Zeit christlicher Verpflichtung, für die Christen im Hl. Land, ohne die Aussicht auf die Investitur als ein Muss zu fühlen. Mit 26 Jahren halte ich mich für zu jung für so eine Entscheidung, und ich nehme mir Zeit dafür.

Ich kann jedoch sagen, dass die Ziele des Ordens (spirituell und materiell die Christen im Hl. Land zu unterstützen) und seine Wege (das Triptychon: Gebet, Ausbildung, Handlung) mich ansprechen und mir helfen, einen Weg spirituellen Wachstums zu finden. Weil mir dieses Vorhaben gefällt, sehe ich keinen Grund, es zu ändern, und daher ist es eigentlich eine Perspektive, ein Ritter zu werden.

Interview von Christophe Lafontaine