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Gepostet on 9 Jul 2012 in Patriarch, Predigten FT

Predigt des Patriarchen aus Anlass des 7. Jahrestages der Wahl von Papst Benedikt XVI

Predigt des Patriarchen aus Anlass des 7. Jahrestages der Wahl von Papst Benedikt XVI

Predigt des Patriarchen aus Anlass des 7. Jahrestages der Wahl von Papst Benedikt XVI.

Exzellenzen, Brüder und Schwestern in Christus!

Wir haben uns für diese Eucharistie versammelt, um Gott für das Geschenk von Papst Benedikt XVI., am siebten Jahrestag seiner Wahl auf den Stuhl Petri zu danken. Als Nachfolger des Petrus und sichtbares Haupt der Einheit innerhalb der Kirche bleibt sein Dienst im Wesentlichen der, den Glauben und die Hoffnung des Volkes Gottes lebendig zu halten und ihre Einheit in der brüderlichen Liebe zu stärken.

Die übergreifende Idee des Pontifikats Papst Benedikt XVI. ist für jede Person, die Entdeckung und Entwicklung einer liebevollen Beziehung mit Gott. Dieses Thema durchzieht alle seine Schriften. Tatsächlich sind all die anderen großen Themen des christlichen Glaubens aufs Innerste mit ihr verbunden und strahlen von ihr ab. Es ist der Weg zum tiefsten und bleibenden menschlichen Glück. Ohne diese Beziehung zu Gott kann, gemäß dem Heiligen Vater, der Menschen nicht Gerechtigkeit, Frieden oder Stabilität erreichen.

Papst Benedikt XVI. kam vor drei Jahren für eine Wallfahrt in unser Heiliges Land, und sein Besuch war einer der anspruchsvollsten Drahtseilakt seines Pontifikats. Er kam als Pilger des Friedens, des Dialogs und des Gebets. Gleichzeitig gab er seinen unterschiedlichen Zuhörern klare und herausfordernde Botschaften.

Die konstante Botschaft des Papstes für unsere Region ist Frieden. Jedoch kommt wahrer Friede, er war dabei sehr klar, nur aus der Gerechtigkeit. Eindringlich erklärte er: „Friede ist vor allem ein göttliches Geschenk. Denn Friede ist Gottes Verheißung an die Menschheit und führt zur Einheit. Im Buch des Propheten Jeremia lesen wir: ‘Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe – Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben’ (Jer 29,11). Der Prophet erinnert uns an das Versprechen des Allmächtigen, dass er ‘sich finden lässt’, dass er uns ‘erhört’, dass er uns ‘sammeln’ und zusammenführen wird. Doch es gibt eine Vorbedingung: Wir müssen ‘ihn suchen’, und zwar ‘von ganzem Herzen nach ihm fragen‘ (vgl. ebd. 12-14).

Zum Abschluss seines Besuchs schwang Trauer mit, als der Papst über einen seiner wichtigsten Eindrücke sprach. Der bedrückendste Anblick, sagte er, ist die Mauer. Tief bewegt betete er für eine „Zukunft, in der die Völker des Heiligen Landes in Frieden und Harmonie zusammen leben können, ohne solche Instrumente der Sicherheit und Trennung zu brauchen.

Er sprach mit großer Ausdruckskraft über Sicherheit, Integrität, Gerechtigkeit und Frieden, und half uns den Begriff „Sicherheit“ neu zu verstehen, die aus Vertrauen entsteht und sich nicht nur auf die Abwesenheit einer Bedrohung, sondern auch auf das Empfinden von Ruhe und Zuversicht bezieht. In Gottes Plan für die Welt sind sie untrennbar. Weit davon entfernt, einfache Resultate menschlicher Anstrengungen zu sein, sind sie Werte, die von der grundsätzlichen Beziehung Gottes zum Menschen stammen.

 

Die Sorge des Papstes ist natürlich global

Seine Vision der Welt bietet ein sicheres Gegenmittel gegen die Langeweile und Sinnlosigkeit einer Welt, die ohne Gott zu leben versucht.

Zum Abschluss seiner ersten Predigt als Papst zitierte er die bekannten Worte Papst Johannes Paul II.:

Haben wir nicht alle irgendwie Angst, wenn wir Christus ganz herein lassen, uns ihm ganz öffnen, könnte uns etwas genommen werden von unserem Leben?“ Auf diese Frage antwortete er: „Nein. Wer Christus einlässt, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist… Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Ja, aprite, spalancate le porte per Cristo – dann findet Ihr das wirkliche Leben.

Der Heilige Vater ruft für das kommende Jahr 2012-2013 zu einem „Jahr des Glaubens“ auf und möchte die Menschheit in einem kritischen Moment aufwecken. „Wir stehen vor einer tiefen Glaubenskrise und einem Verlust des religiösen Sinnes, die für die Kirche in der heutigen Zeit die größte Herausforderung darstellen. Die Erneuerung des Glaubens muss daher im tätigen Einsatz der Kirche in unseren Tagen Vorrang haben.“ „So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi“(Römer 10,17).

Gemäß dem Heiligen Vater muss die Kirche eine neue Antwort auf die Schwierigkeiten in der Welt geben. Um dies zu tun, braucht die Kirche weder Super-Männer noch Super-Frauen, sondern übernatürliche Männer und Frauen, die gelernt haben, dass das Leben in Fülle das Leben in und durch und mit Christus ist.

 

Besuch im Libanon

Die katholische Kirche im Libanon wird Papst Benedikt XVI. vom 14.-16. September willkommen heißen. Zusammen mit einer „Botschaft des Friedens“ für alle Menschen der Region, wird der Papst ein Dokument übergeben – das sogenannte Post-Apostolische Schreiben – das sich eingehender mit den Themen der Synode für den Nahen Osten im Jahr 2010 auseinandersetzt.

Die Synode gab die oberste Priorität der Bewahrung der Katholiken und anderer Christen im Nahen Osten, der ihre historische Heimat ist. Sie kam nur wenige Monate vor der Ausbruch einer Serie von noch laufenden und oft gewaltsamen Revolutionen in der arabischen Welt zusammen. Die Sorge für das Überleben einiger Kirchen des Nahen Ostens ist in der Zwischenzeit, nach dem Aufstieg des politischen Islams in Ägypten und einem möglichen Bürgerkrieg in Syrien, gewachsen. Diese Umstände bedürfen viel Gebet.

Morgen feiern wir das Hochfest des hl. Peter und Paul und erinnern dabei an zwei Männer, die unermüdlich für die Verbreitung des Evangeliums gearbeitet haben. Gott war in der Lage, große Dinge in ihnen und durch sie zu tun, d.h. durch ihre absolute Hingabe an den Sohn Gottes. Lassen Sie uns weiterhin Gott danken für den Apostel Benedikt XVI. und für seinen unermüdlichen Einsatz für die Verbreitung des Evangeliums! Segne Gott seinen Dienst und möge er ihm bei der Leitung der Kirche hin zur Ausdauer in der Hoffnung helfen, einer Hoffnung, die „nicht zugrunde gehen“ lässt; „denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Römer 5,5 ). Amen.

Liebe Freunde, ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um einige Worte an S.E. Mons. Franco zu richten, der uns verlassen wird.

Ernannt im Jahr 2006 zum Apostolischen Nuntius für Israel und Zypern sowie Apostolischen Delegat in Jerusalem und Palästina, brauchte er, als er hierher vor sechs Jahren ankam, mit seiner freundlichen und fürsorglichen Art nicht viel Zeit, um das Vertrauen und die Zuneigung der lokalen religiösen Führer und Laien zu gewinnen. Sein primäres Ziel war, noch intensiver unsere christliche Gemeinschaft zu leben. Er verlässt nun nach sechs Jahren das Land, und wir möchten ihm einen herzlichen Abschied bieten, jetzt, da er ein neues Kapitel seines Lebens betritt.

Im Namen der Gläubigen, der religiösen Führer und der vielen religiösen Kongregationen, danken wir Ihnen, Exzellenz, für Ihr jahrelanges Engagement für das Heilige Land.

Welche Bilder von Erzbischof Franco bleiben in unserer Erinnerung? Einige Bilder und Qualitäten die einfach ins Gedächtnis kommen, sind – väterlich – fromm – heiter, vollkommene Verfügbarkeit, und vor allem sein Bewusstsein für die „nicht sehr einfachen“ Umstände in dieser Region. Lieber Kollege, einige der vielen Lektionen, die diese Region uns lehrt, sind Geduld und Glauben.

Ihre Talente, Exzellenz, wurden während Ihrer Dienstzeit im Heiligen Land zu einem großen Vorteil eingesetzt, wo sektiererische Streitigkeiten, die anhaltende Abwanderung von Christen, und die komplexen Beziehung des Heiligen Stuhls zu Israel einen bewährten Sachverstand erfordern. Wir haben in Ihnen einen Kirchenführer mit einem ansteckenden und echten Optimismus. Sie verstanden es, Ihre Liebe zur Kirche, der Sie mit Würde gedient haben, zu vermitteln.

Fast 52 Jahre sind seit dem Tag Ihrer Priesterweihe im Juli 1960 vergangen. Vielleicht konnten Sie sich nur schwer vorstellen, dass Sie im Heiligen Land als Diplomat, als Lehrer, als Repräsentant des Stellvertreters Christi, und als Hirte der Seelen dienen. Das ist es, wofür Sie Gott berufen hat, zu tun.

Bei Ihrer Ankunft im Heilige Land im Jahr 2006 haben Sie Ihren Dienst zu einem der schwierigsten Zeitpunkte und in einer der schwierigsten Regionen begonnen. Wir alle wissen, dass es unmöglich ist, alle zufrieden zu stellen. Jenseits der Komplexität des Heiligen Landes kam Ihr Selbstbewusstsein nicht von einem menschlichen Faktor, sondern vom Herrn. Ihr starker Glaube stützte sich auf die große Verheißung Jesu „Ich bin bei euch alle Tage…“

Die Zeit ist gekommen, um Ihnen Lebewohl zu sagen, während Sie nun in Ihr Land zurückkehren. Diese Jahre, die Sie im Heiligen Land verbracht haben, sind mit vielen unvergesslichen Erlebnissen gefüllt. Und ich möchte meine Anerkennung für alles ausdrücken, was Sie getan haben. Sie haben großzügig Ihre Talente und Ressourcen eingesetzt, um sicherzustellen, dass die Sendung der Kirche weitergeht.

Für Ihr Engagement, drücke ich Ihnen im Namen der Versammlung der Katholischen Ordinarien und im Namen aller religiösen Führer und Gemeinschaften meinen tief empfundenen Dank aus.

Exzellenz, wie der greise Simeon im „Nunc dimittis“ ausrief: „Nun, Herr, lässt du deinen Knecht in Frieden scheiden…“, so sagen wir Ihnen, da Sie Jerusalem verlassen, Adieu! Nachdem Sie unsere Situation gesehen und Ihre Mission erfüllt haben, vergessen Sie Jerusalem und seine Menschen nicht. Wir werden Sie nicht vergessen und wir begleiten Sie mit unseren Gebeten und besten Wünsche. Gott segne Sie!

+ Fouad Twal, Patriarch