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Gepostet on 17 Mai 2012 in Publikationen, Vertiefung

Botschaft der syrischen Bischöfe zur Lage ihres Landes

Botschaft der syrischen Bischöfe zur Lage ihres Landes

Abschlussbericht der Versammlung der Katholischen Hierarchie in Syrien

Maronitisches Erzbistum von Aleppo, den 25. April 2012

Die Versammlung der Katholischen Hierarchie in Syrien hielt am 25. April 2012 in Aleppo ihr regelmäßiges Frühlingstreffen im Amtssitz des maronitischen Erzbischofs, unter Vorsitz ihres Präsidenten, dem melkitischen (griechisch-katholischen) Patriarchen Gregorios III. Ebenfalls anwesend waren der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Joseph III (Younan), Erzbischof Mario Zenari, päpstlicher Nuntius und die katholischen Bischöfe in Syrien.
Die Väter bewertet die Lage in Syrien im Lichte der aktuellen schmerzhaften Ereignisse. Sie sprachen über pastorale Probleme im Licht des Lebens und der sozialen Mission der Kirche unter den harschen Bedingungen, unter denen einige Regionen des Landes leiden.

Sie haben den folgenden Bericht veröffentlicht:
1. Wir stehen Seite an Seite mit unserem syrischen Volk bei der Suche nach einem menschenwürdigen Leben, nach nationaler Einheit, nach Solidarität zwischen den verschiedenen sozialen, religiösen und die Nation konstituierenden Gruppen; bei der Verfolgung eines breiten und wirksamen Reformprozesses, der in der Praxis, im politischen, sozialen und kulturellen Bereich, durch die koordinierte Anstrengung aller Syrer – Regierung, Parteien, konstruktive Opposition, Spezialisten -, im Rahmen der nationalen Einheit und einer aktiven Teilnahme am nationalen Dialog ( für jegliche Reform absolut unverzichtbar und ohne die sie eine leere Hoffnung bliebe) umgesetzt werden muss, und anerkennend, dass dies der beste Weg ist, um den Kreislauf der Gewalt und der Unterdrückung zu entkommen. Der Staat hat zum Dialog aufgerufen, und wir laden alle nationalen Parteien, zu Hause und im Ausland ein, um ein neues demokratisches Syrien mit einem Mehrparteiensystem aufzubauen. Wir ermutigen alle, in vollem Umfang an den freien und fairen Wahlen zur Nationalversammlung am 7. Mai teilzunehmen, um den Willen des Volkes zum Ausdruck zu bringen.

2. Der Herrgott selbst hat den Dialog mit der Menschheit durch göttliche Offenbarung in der Heiligen Schrift begonnen und sie dazu berufen, am Leben teilzuhaben. Jesus Christus ist auf diese Erde gekommen, „damit sie (Männer und Frauen) das Leben haben und es in Fülle haben.“ Deshalb ruft die Kirche in gleicher Weise zur Versöhnung und zum Dialog zwischen dem Staat und allen im Land vorhandenen Kräften auf, um das Vertrauen, die Offenheit gegenüber anderen und die Achtung der unterschiedlichen politischen, religiösen und geistigen Zugehörigkeiten und Meinungen wiederherzustellen.

3. Die Gewalt hat alle Grenzen überschritten. Wir können nur dringend und nachdrücklich an alle Menschen, die ein Gewissen haben, appellieren, zur Besinnung zu kommen und allem abzuschwören, was das menschliche und nationale Leben zerstört. Wir verurteilen auf eindeutige Weise jede Form von Gewalt, von wem auch immer sie ausgeht. Wir rufen die friedlichen Zivilisten auf, sich nicht in politischen Auseinandersetzungen verwickeln zu lassen. Die Menschen dürfen nicht durch Entführungen, Massaker, Erpressung und Verwüstung ihrer Häuser, Beschlagnahme von Eigentum und der Durchsetzung staatlicher Autorität durch Gewalt und Unterdrückung eingeschüchtert und terrorisiert werden. Wir unterstützen die Mission des UNO-Sondergesandten Kofi Annan, vor allem in ihrem humanitären Aspekt im Zusammenhang mit dem Rückzug der schweren Waffen aus bewohnten Gebieten. Wir treten ein für eine schnelle Rückkehr der Flüchtlinge und Vertriebenen in ihre Häuser und eine Entschädigung der Opfer; für die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und den Einsatz, um die Krise zu lösen; für Anstrengungen für konkrete staatliche Reformen und zur Bekämpfung der Korruption, um die Teilhabe und Gleichberechtigung der Rechte und Pflichten für alle Bürger zu garantieren.

4. Wir sind in Solidarität mit dem Schmerz und dem Leid aller Bürger verbunden, ob sie nun Zivilisten oder Soldaten sind, die von den Ereignissen und den schmerzhaften Teufelskreis der Gewalt in den verschiedenen Teilen des Landes während der vergangenen 13 Monate betroffen sind. Es ist natürlich, dass wir insbesondere an unsere christlichen Mitbrüder denken, die gezwungen sind, ihre Häuser, Städte und Dörfer zu verlassen. Einige Male wurden sie als menschliche Schutzschilde benutzt und ihre Wohnviertel dienten als Schlachtfeld. Wir stehen ihnen in ihrer Not zur Seite und versichern ihnen, dass wir unser Bestes tun, um ihnen eine helfende Hand zu reichen, insbesondere durch Caritas Syrien und alle unsere Institutionen, um ihre materiellen, pastoralen, gesundheitlichen und sozialen Bedürfnisse zu stillen. Tatsächlich haben die Kirchen bereits ihre Hilfsprogramme gestartet. In besonderer Weise wollen wir dem Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI. für seine väterliche Geste und seinen Beitrag durch Cor Unum danken, um die Not der Opfer der blutigen Ereignisse in unserem Land zu lindern. Wir danken auch den einzelnen Personen und lokalen Institutionen, die diesen humanitären Dienst der Kirche unterstützt haben.

5. Wir fordern eine transparente Information auf lokaler Ebene, ebenso wie wir internationale Medien brauchen, die objektiv und in ihrer Berichterstattung wahrheitsgemäß sind und die die Tatsachen nicht verzerrt weitergeben. Wir appellieren auch an die internationale und die arabische Gemeinschaft, um die Bemühungen um den Friedensprozess in Syrien und in der gesamten Region zu unterstützen.

6. Schließlich wenden wir uns an unsere geliebten Mitbürger in Syrien und unsere christlichen Brüder und fordern sie zur Solidarität, zur gegenseitigen Unterstützung und zur geistigen Kraft auf, um diese Krise zu überstehen, die durch die Hoffnung und das Vertrauen in die Fähigkeit unseres Volkes unterstützt werden, geeignete Lösungen für den Aufbau eines erneuerten Syriens zu finden: durch die tatkräftige Liebe und Brüderlichkeit und durch das Hören auf die Vernunft anstatt des Gebrauchs von Waffen und das Rasseln mit ihnen. Wir wünschen ihnen, in der Freude über das Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, dass sie durch die Auferstehung in ihrem Herzen gestärkt werden und sie selbst Zeugen dieser Auferstehung sind.

Versammlung der katholischen Hierarchie in Syrien, 25 April 2012
Quelle: www.byzcath.org