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Gepostet on 16 Mai 2012 in Publikationen, Vertiefung

Die Causa der Wasserzisternen ist eine Frage der Menschlichkeit

Die Causa der Wasserzisternen ist eine Frage der Menschlichkeit

JERUSALEM – Die Gesellschaft St. Yves, das katholische Zentrum für Menschenrechte arbeitet , Wasserzisternen rechtlich vor willkürlicher Zerstörung zu schützen. Die Gesellschaft St. Yves ist das katholische Zentrum für Menschenrechte des Lateinischen Patriarchats im Heiligen Land.

Am Rand von Bethlehem liegt ein kleines Dorf in Rashayida, in dem die Bewohner sehnsüchtig auf die israelischen Tanklaster warten, die das wertvolle Wasser liefern. Das Wasser wird äußerst sparsam benutzt werden, denn es regnet hier so gut wie nie in den Sommermonaten und der Wasserkauf von den Tanklastern kostet die Bewohner den Großteil ihres monatlichen Einkommens. Dieses Jahr wird eine besondere Herausforderung für die Bauern und ihre Familien werden, denn die einzige Wasserquelle im Dorf wurde im vergangenen Jahr von der israelischen Armee zerstört. Die tief in der Erde liegende Regenwasserzisterne, die bereits aus byzantinischer Zeit stammte, wurde im letzten Jahr abgerissen, nachdem der Besitzer ohne Baugenehmigung geringfügige Instandhaltungsarbeiten an der Öffnung der Zisterne durchgeführt hatte. Diese Arbeiten kosten nun ihm und vier anderen Familien die zuverlässige Wasserversorgung, auf die sie sich für die kommenden heißen Sommermonate verlassen hatten. Dies war bereits die dritte Zisterne allein in dieser Gegend, die in den letzten sieben Monaten zerstört wurde.

Das Dorf ist eines von hunderten Gemeinden, die in den letzten beiden Jahren anhaltenden Angriffen auf ihre Wasserressourcen ausgesetzt sind. Die meisten dieser Gemeinden liegen im sogenannten C-Gebiet, das über 60% der Westbank einnimmt und unter vollständiger israelischer Militärkontrolle steht. Die israelische Militärverwaltung kontrolliert hier alle Verwaltung, Planung und Sicherheit. Jegliche Struktur, die errichtet werden soll, benötigt eine von den Israelis bewilligte Baugenehmigung; dies gilt auch für alle Renovierung, Rehabilitierung und Konstruktion von Regenwasserzisternen. Bei einem Genehmigungsverfahren, das Jahre dauern kann und Bewilligungsraten zwischen einem und sieben Prozent hat (letztere Zahl wird von israelischen Militärstatistiken genannt), werden viele Gemeinden angreifbar für Zerstörungen, da der dringende Wasserbedarf administrative Überlegungen überwiegt.

Die Society of St. Yves, das katholische Zentrum für Menschenrechte, stellte bereits 2010 einen zunehmenden Angriff auf Wasserressourcen fest, als die Organisation zunehmend von Fällen überschwemmt wurde, in der Regenwasserzisternen Zerstörungsbefehle erhalten hatten. Für viele betroffenen Gemeinden, die zu den ärmsten in den C-Gebieten gehören und hauptsächlich von Landwirtschaft leben, jedoch nicht an die Wasserversorgung angeschlossen sind, bedeutet die Zerstörung der Regenwasserzisternen das Ende für ihren Lebensunterhalt. Umfassend dokumentiert durch OCHA (das UN Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten) hat sich die verstärkte Zerstörung von Wasserstrukturen zur einer gezielten israelischen Strategie entwickelt, Palästinenser zum Abwandern zu zwingen. Allein von 2010 bis 2011 haben sich die Zerstörungen von Wasserstrukturen mehr als verdoppelt; allein in diesem Zeitraum wurden 46 Regenwasserszisternen zerstört und damit die Leben von nahezu 14.000 Menschen beeinträchtigt. Die Zerstörung dieser Zisternen verdrängten im Jahr 2011 127 Palästinenser, darunter 104 Kinder.

Die Politik der Zerstörung von Zisternen sollte im größeren Kontext der Besatzung und der Durchsetzung eines restriktiven Planungsregimes, das von der israelische Armee kontrolliert wird, gesehen werden. Im Jahr 2011 klagte St. Yves vor dem israelischen Obersten Gerichtshofs, um die lokalen Planungskomitees in den C-Gebieten wiedereinzusetzen, und arbeitet derzeit gemeinsam mit Partnerorganisationen daran, Wasserzisternen rechtlich vor willkürlicher Zerstörung zu schützen.

Die Causa der Wasserzisternen übersteigt den Nahostkonflikt; sie ist eine Frage der Menschlichkeit. Als Teil der Kampagne zum Schutz von Wasserzisternen wurde eine Onlinepetition veröffentlicht, um den israelischen Obersten Gerichtshof an seine Pflicht zu erinnern, internationales Recht zu respektieren.