Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 15 Mai 2012 in Bischöfe, Diözese

Predigt von Bischof William Shomali in Jerusalem Kehilla

Predigt von Bischof William Shomali in Jerusalem Kehilla

Liebe Brüder und Schwestern,

Es erfüllt mich mit Freude, mit Euch das Fest des heiligen Jakobus, des Schutzpatrons Eurer Gemeinde und unserer Diözese zu feiern. Es war ein Wunsch von mir, bei Euch sein und beten zu können. Und es ist mir klar geworden, dass der Herr mir heute meinen Wunsch erfüllt hat.

Eure Gemeinde ist für die Kirche von Jerusalem wichtig. Nicht aufgrund ihrer Größe, sondern wegen der Bedeutung Eurer Gegenwart hier. Ihr führt in der Zeit die erste Kirche weiter, die aus dem Judentum entstanden ist. Darüber hinaus sind unsere Arabisch und Hebräisch sprechenden Gemeinschaften wie die beiden Lungenflügel, durch die die Kirche des Heiligen Landes atmet. Oder, um ein Bild aus dem Evangelium von heute zu benutzen, wir sind wie zwei Zweige, die ihre zum Leben notwendige Flüssigkeit und Stärke aus dem selben Rebstock erhalten, der Jesus Christus unser Erlöser ist.

Ich danke Pater David Neuhaus, unserem Patriarchalvikar für seine freundliche Einladung. Ich bete, dass du Jesus Christus weiterhin in der Mitte der jüdischen und israelischen Gesellschaft bezeugst.

Es ist nicht einfach, wie es auch nicht einfach für den hl. Paulus war, dem Protagonisten der ersten Lesung von heute. Nach seiner erstaunlichen Bekehrung stieß er auf viel Widerstand von Seiten seiner jüdischen Brüder.

Aber je größer die Opposition wurde, auf die er traf, desto stärker wurde er mit der Hilfe des Heiligen Geistes. Dank ihm haben viele Juden und Heiden entdeckt, dass Jesus der Messias ist. Schwierigkeiten und Herausforderungen sollten uns also nicht entmutigen. Die Tatsache, dass wir eine Minderheit innerhalb einer jüdischen und muslimischen Mehrheiten sind, sollten bei uns zu keinen Komplexen führen oder uns entmutigen. Die erste christliche Gemeinde von Jerusalem war stark, trotz ihrer Schwäche und ihrer geringen Zahl. Wie viel Trost erhielt sie in dieser Zeit durch den Heiligen Geist: „Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samaria hatte nun Frieden“, heisst es in der zweiten Lesung, „sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes“ (Apg. 9,31).

Erlaubt mir nun, zusammen mit Euch das Gleichnis vom Weinstock zu meditieren, das wir im heutigen Sonntagsevangelium gelesen haben. Es hält eine wunderbare Lehre für uns bereit.

Der Weinstock im Alten Testament symbolisieren Israel. Als Israel die Gebote des Herrn befolgte, war dieser fruchtbar. Als Israel jedoch seine Gebote übertrat, wurde er unfruchtbar. Im Rahmen des heutigen Evangeliums ist der Weinstock Jesus Christus. Wir haben die Ehre, seine Reben zu sein.

Ich bin beeindruckt, wie oft Jesus im Johannesevangelium das Verb „bleiben“ benutzt, um das Verhältnis zwischen dem Weinstock und den Reben zu beschreiben. Ich habe es elf mal gezählt. Das selbe Verb kommt auch zweimal in der zweiten Lesung vor. Das weist auf seine Bedeutung hin.

Die Jünger sollten in Jesus bleiben, wie er in ihnen bleibt.

Die Zweige sollten im Weinstock bleiben. Die Worte von Jesus sollten in den Jüngern bleiben.

Die Jünger bleiben in der Liebe Jesu, wenn sie seine Gebote halten. Die Früchte der Jünger sollten bleiben.

Ein weiterer Ausdruck wird ebenfalls oft wiederholt. „Damit sie reiche Frucht bringen“. Dieser wird sechs mal wiederholt:

Wir können leicht feststellen, dass das Bleiben in Jesus und das Fruchtbringen wie der Grund zur Wirkung zusammengehören. Das Wörterbuch definiert „zu bleiben“ mit den folgenden Verben: vereint bleiben, am gleichen Ort oder im selben Status bleiben, fortfahren zu tun, fortsetzen zu sein, weiter existieren, ertragen, bestehen bleiben. Diese Synonyme sind wichtig. Aber wie sich das Evangelium auf eine übernatürliche Sphäre bezieht, die nicht mit Worten beschrieben werden kann, ist die Metapher des Weinstocks der beste Weg, um uns unsere wunderbare und lebendige Beziehung mit Jesus bewusst zu machen.

Aber wie bleibt Jesus in uns?

Es gibt drei Wege:

Der erste Weg ist durch sein Wort: Jesus bleibt bei uns, wenn wir in seinem Wort bleiben: „Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt“ (Johannes 15,7). Jesus und sein Wort sind eins. Wenn wir auf ihn hören, werden wir eins mit ihm. Seine Worte sind wie die lebenswichtige Flüssigkeit, die von der Rebe kommt und die Äste nährt, damit sie Früchte tragen. Daher fragen wir uns: Lesen wir täglich einen Absatz aus der Bibel, um in Ihm zu bleiben und Er in uns? Ziehen wir Kraft und Trost aus der täglichen Meditation des Evangeliums? Die letzte Synode über den Nahen Osten empfahl den täglichen Kontakt mit dem Wort Gottes, das unser tägliches Brot werden soll.

Darüber hinaus sind das Wort Gottes und seine Gebote eine Wirklichkeit, die im Hebräischen mit dem Wort Davar ausgedrückt wird. Die Worte Jesu bleiben in uns, wenn wir seine Gebote halten. „Diejenigen, die seine Gebote halten bleiben in ihm, und er in ihnen“, heisst es in der zweiten Lesung.

Der zweite Weg, um in ihm zu bleiben, ist durch die Liebe:

Hier genügt es, Jesus selbst zu zitieren: “Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. […] Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“ (Johannes 15:9-10.12).

Es ist wichtig, uns noch einige weitere Fragen zu stellen: Lieben wir unsere Nachbarn, die Leute, mit denen wir arbeiten? Sind wir bereit, das Böse, das sie uns angetan haben zu verzeihen? Sind wir bereit, wie der heilige Paulus, Jesus Christus nachzufolgen und die trennende Wand der Feindschaft zu brechen? (Eph. 2,14). Lieben wir um der Sache Gottes willen und nicht aus persönlichem Interesse?

In Jesus zu bleiben, heisst, in seiner Liebe und in der Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern zu bleiben.

Der dritte Weg, damit wir in Jesus bleiben, ist die Eucharistie.

Das Sakrament der Eucharistie zeigt noch auf eine bessere Weise als das Bild des Weinstocks und der Reben unsere Einheit mit ihm. Das Bild des Essens ist ausdrucksstark. Was gibt es für ein stärkeres Bild für die Einheit als Brot, das wir essen, das Brot, das Teil unseres Körpers wird? Was ist stärker als das Trinken von Wein, der Teil unseres Blutes wird? Wie stark ist der Ausdruck, den Jesus verwendet: esst mein Fleisch und trinkt mein Blut? Es ist ein beeindruckendes Bild, um die Einheit zwischen ihm und uns zu vermitteln und zu realisieren. Dieses Bild sagt mehr als es selbst. Es produziert, was es heißt und bedeutet, was es produziert.

Abschließend möchte ich über die Früchte sprechen, die die Zweige tragen sollen. Welche sind sie? Es sind die gleichen Früchte, die der Brief an die Galater erwähnt: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Galater 5,22). Wir sehnen uns alle danach, solche guten Früchte in unserem Leben hervorzubringen.

Ja, unter welchen Bedingungen können die Zweige Früchte tragen? Wir müssen nur am Weinstock dranbleiben und akzeptieren, beschnitten und gereinigt zu werden. Was ist die Voraussetzung, die uns die Früchte der Liebe, des Friedens, der Langmut, der Freundlichkeit, der Güte usw. hervorbringen lässt? Mit Jesus vereint zu bleiben, durch das Hören seines Wortes, durch unsere Treue zu seiner Liebe, durch das Halten seiner Gebote, durch die Annahme der Schwierigkeiten des Lebens, durch die der Herr uns beschneidet und reinigt.

Liebe Brüder und Schwestern,

Wir sind jetzt der Kommunion nahe. Lasst uns diesen Augenblick ersehnen, in dem Jesus, der geistige Weinstock, selbst kommt, um mit den schwachen Zweigen, die wir sind, vereint zu sein. Das ist das Paradox unseres Glaubens. Normalerweise sind es die Zweige, die an den Weinstock gefügt werden. Aber hier ist es der Rebstock, der zu den Zweigen kommt, um diese zu animieren und zu beleben. Dieses Gleichnis lehrt uns, wie sehr der Herr uns liebt. Er ist der Erste, der liebt und er ist stets seinen Verheißungen treu. Aus diesem Grund sind wir eingeladen, ihn mit dem Antwortpsalm zu loben: „Deine Treue, Herr, preise ich in großer Gemeinde.“ Bitte wiederholt mit mir: „Deine Treue, Herr, preise ich in großer Gemeinde.“

+ William Shomali