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Gepostet on 27 Apr 2012 in Diözese im Ausland, Kirche

Erzbischof Celli: „Die Wahrheit über den Menschen darf nie verschwiegen werden“

Erzbischof Celli: „Die Wahrheit über den Menschen darf nie verschwiegen werden“

Beirut. Am 20. April endete das Seminar über soziale Kommunikation für den Nahen Osten. Vor seinem abschließenden Statement fasste Erzbischof Claudio Maria Celli, Präsident des Bischofsrates für soziale Kommunikation, die vier Tage zusammen. Seiner Meinung nach haben die katholischen Kirchen im Nahen Osten vor allem die Aufgabe, die Wahrheit über den Menschen zu verbreiten.

1. Was waren die Aufgaben des Seminars ?

Der Zweck des Seminars war es, innerhalb der Bischöfe des Ostens (mit einigen Priestern und Laien) über die Bedeutung eines konkreten und aktiven Bekenntnisses zur Kommunikation nachzudenken. Persönlich habe ich keine Lösung anzubieten außer der Empfehlung, dass alles, was wir diskutiert haben und alles, was wir besprochen haben, wo immer möglich, mit einem ernst gemeinten strategischen Plan angewendet wird. Dieses Seminar ist nur die erste Stufe. Zweitens glaube ich, dass ein Resultat dieses Seminars das Bewusstsein gefestigt hat, dass die Kirchen zusammenarbeiten müssen. Hier im Nahen Osten wird der ganze Reichtum der Geschichte, des Lebens der Kirchen gemessen. Es ist notwendig, zu sehen wie zusammengearbeitet wird.

 

2. Was sind Ihrer Meinung nach die Aufgaben im Bereich der Kommunikation für die katholischen Kirchen im Osten ?

Die erste Aufgabe gilt für alle Kirchen weltweit: jede muss auf ihre Art ein Zeugnis für Gott ablegen. Es muss betont werden, dass Kommunikation in erster Linie Zeugnis ist.

Die zweite Aufgabe für die Katholischen Kirchen im Osten ist furchtlos zu sein. Gott hat nicht gesagt, dass er uns ein leichtes Leben schenkt, er hat gesagt: „Ich bin bei euch.“ Jesus verwendet in seinen Gesprächen mit den Aposteln oft den Begriff „Mut“. Diese Tatsache ist von tiefgreifender Bedeutung für das Leben der Kirchen im Allgemeinen und heute im Besonderen für die östlichen Kirchen.

Die dritte Aufgabe ist es, alles zu tun, um die Sprache der jungen Generation zu verstehen. Ihre Sprache ist numerisch, digital und in der Lage, Revolutionen auszulösen.

Die vierte Aufgabe, die ich sehe, betrifft die Ausbildung von Seminaristen und Priestern, damit sie verstehen, was die Begriffe Kommunikation und Information bedeuten.

Schließlich der fünfte Punkt, es ist klar, dass die Situation im Nahen Osten die Art und Weise der Kommunikation stark beeinflusst. Aber ich möchte hinzufügen, dass die Kirche keine politischen Entscheidungen treffen muss. Ihre Aufgabe ist es, die Wahrheit über den Menschen zu verbreiten. Die Kirchen im Nahen Osten haben die Aufgabe, ihre jeweiligen Länder darauf hinzuweisen, wenn Freiheit verletzt wird, wenn Männer und Frauen nicht immer respektiert werden.

 

3. Wie kann Rom bei der Lösung dieser Aufgaben helfen ?

Zuerst möchte ich mich für die Realisierung dieses Seminars beim Rat der katholischen Patriarchen des Ostens und beim Bischofsrat für soziale Kommunikation bedanken. Das ist ein konkretes Zeichen für Zusammenarbeit. Wir teilen immer gerne unsere Erfahrungen. Ich möchte aber betonen, dass es nach diesem Treffen in der Verantwortung der lokalen Kirchen liegt, diese Initiativen entsprechend der sozial-politischen Realität in ihren Ländern zu übernehmen. Die Kirche ist universal und diese Zusammenarbeit erstreckt sich über Grenzen hinaus. Ich erwähne in diesem Zusammenhang, dass unser Rat den Papst vertritt und dass die Förderung eines Austausches dieser Dimension in seinem Sinn ist. Trotzdem glaube ich auch, dass die Patriarchate nur durch Zusammenarbeit gewinnen können. Dieses Bild des Teilens zwischen Rom und dem Osten muss richtigerweise im Teilen zwischen den verschiedenen Patriarchaten enden.

 

4. Was ist Ihrer Meinung nach die Aufgabe des Heiligen Landes als Instrument der Evangelisierung und des Friedens ?

Das Heilige Land muss die Mutterkirche sein. Unsere Wurzeln sind hier. Das Heilige Land zieht alle Augen auf sich. Darum bin ich überzeugt, dass es dem Ruf nach unzweideutigem Zeugnis folgen muss. Es ist notwendig, an die anderen Kirchen der Welt zu denken, die diese heilige Verbindung mit dem Land von Jesus brauchen. Ja, die Kirche von Jerusalem trägt die Verkündigung des Erlösung, und wir vergessen jene Christen und Gemeinden nicht, die dort leben, sodass das Hl. Land kein Museum wird, sondern eine kirchliche Realität, die lebendig innerhalb der Kirchen in der Welt ist.

Interview geführt von Christophe Lafontaine