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Gepostet on 1 Feb 2012 in Publikationen, Vertiefung

Abkommen zwischen dem Vatikan und Israel

Cenacle_on_Mount_Zion

Der Staat Israel und der Vatikan richteten 1994 diplomatische Beziehungen ein. Seitdem sind Verhandlungen, insbesondere seit 1999 über den Inhalt eines Grundlagenvertrages im Gange, dessen Prinzipien beide Seiten zugestimmt haben, jedoch von der Knesset nicht ratifiziert wurden. Bischof Michel Dubost der Diözese von Evry (Frankreich) und Mitglied der „Heiliges Land Koordination“ erklärt die Positionen Israels und der Kirche.

Für Israel ist die Position klar:

  • Es ist sinnvoll, die Beziehungen zwischen dem Staat und der katholischen Kirche mit den lokalen kirchlichen Autoritäten zu verhandeln (sie sprechen nicht mit einer einheitlichen Stimme und sind dadurch Druck zugänglicher), als mit dem Vatikan.
  • Es ist sinnvoll, dass die Katholiken die generelle Oberhoheit des Staates Israel akzeptieren … in Israel … z.B., das Recht Israels, Herr über seinen Tourismus zu sein und Touristenführer für Pilgergruppen zu bestimmen, die vom israelischen Staat autorisiert sind.
  • Es ist sinnvoll, dass die katholischen Institutionen ihren Teil der Steuern zahlen.
  • Es ist möglich, dass durch steuerliche Fragen (o.ä.) in Bezug auf die besetzten Gebiete der Staat Israel eine gewisse Anerkennung der Legitimität seiner Besetzung anstrebt.

 

Die Anliegen der Kirche sind ebenfalls klar:

  • Die Kirche möchte eine steuerliche Regelung, die es möglich macht, die Steuern auch zu zahlen. Sie ersucht die Freistellung von einer „Haussteuer“ für Heiligtümer, Friedhöfe, Konvente und die zu ihnen gehörenden Klöster, die sich auf ihrem Grund befinden. Für den Rest, d.h. soziale Einrichtungen, Schulen, Kliniken bemüht sie sich um einen Steuersatz, der von „Vereinen“ bezahlt wird (33% der normalen Rate).
  • Sie wünscht, dass der Klerus in den Genuss sozialer Fürsorge kommen kann (insbesondere Krankenfürsorge), ob dieser nun einheimisch ist oder nicht. Sie hofft ebenfalls, dass der Klerus, wie alle anderen Bürger, ein Recht auf eine Pension hat.
  • Sie wünscht, dass dieser Vertrag, sollte er unterzeichnet werden, alle Abgaben annulliert (die für sich genommen illegal sind), die insbesondere die Kommunen von den Kirchengütern verlangen. Der „Grundlagenvertrag“ sah vor, dass nichts bezahlt werden müsste, bis nicht der Vertrag als Ganzes unterschrieben sein würde.
  • Sie wünscht, den „Abendmahlssahl“ als heilige Stätte zurückzuerhalten.
  • Sie möchte so schnell als möglich die Fragen geklärt wissen, die die Schulen und andere soziale Einrichtungen betreffen.
  • Sie möchte eine Regulierung der Anträge für Aufenthaltsgenehmigungen für den Klerus. Die israelische Gesetzgebung kennt nicht das Statut des Dauerresidenten…, es wäre nützlich, Genehmigungen für ein, zwei oder fünf Jahre zu erhalten.
  • Sie möchte vollkommene Freiheit, um Pilgergruppen führen zu können, wie sie für am besten hält und mit wem sie möchte.

Verhandlungen müssen viele Hindernisse überwinden (Innenpolitik, der Einfluss auf andere religiöse Gemeinschaften, die administrativen Regeln eines jungen Staates, das Ergebnis bezüglich der „Souveränität“ Palästinas, etc. … etc.).

Quelle: Bischof Dubost (Heiliges Land Koordination 2012) auf der Webseite der Diözese von Evry.