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Gepostet on 12 Jan 2012 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Die Bischöfe der Koordination für das Heilige Land begegnen den Religionen im Heiligen Land

Coordination_Galile1Am Dienstag, den 10. Januar 2012 besuchten die Bischöfe der Koordination für das Heilige Land Galiläa, um dort der christlichen Gemeinden zu begegnen.. (…)

Eine der größten Herausforderungen für die Kirche von heute ist der Dialog zwischen Kulturen und Religionen in einer multireligiösen Gesellschaft. Dies gilt umso mehr und oft umso dramatischer für das Heiligen Land, das die Bischöfe des Koordinierungsausschusses in diesen Tagen besuchen: Ein Beispiel ist Galiläa, das „Galiläa der Nationen“, wohin sich die Bischöfe mit ihren Mitarbeitern und Priester und Journalisten am 10. Januar 2012 aufmachten. Vor Ort wollten sie Einblick in die Erfahrung des interreligiösen Dialogs und in die Zusammenarbeit der christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land gewinnen und diese miterleben.

Das Heiligtum von Muhraqa

Die erste Etappe führte sie zu dem auf dem Gipfel des Berges Karmel gelegenen Heiligtum von Muhraqa. An diesem Ort wird der Prophet Elia gleichzeitig von Juden, Christen, Muslimen und Drusen verehrt. Der Berg Karmel gilt traditionell als Symbol für eine wahre und aufrichtige und ohne Kompromisse und Synkretismus geführte interreligiöse Begegnung. Die Gruppe der Koordination, die der Nuntius und Apostolische Delegat, Erzbischof Antonio Franco und P. Pietro Felet, Sekretär der Versammlung ACOHL anführten, begrüßten Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo, der Lateinische Patriarchalvikar für Israel und Paul Sayah, der maronitische Erzbischof von Haifa und die Karmeliter-Patres, die verantwortlich sind für das Heiligtum.

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Die Messe zelebrierte der kanadische Bischof Richard Smith. Er hielt dabei eine kurze, der Bedeutung dieses Ortes angemessene Predigt. Nach dem gemeinsamen Gottesdienst genossen alle die Gastfreundschaft der Karmeliter-Patres und bewunderten die einzigartige Landschaft des Karmel und der Ebene von Esdraelon. Das klassische Gruppenfoto entstand unter dem Feuerschwert des Propheten Elias, dem Propheten des Monotheismus.

Haifa

Die zweite Etappe führte nach Haifa zum griechisch-katholischen Erzbischof Elias Shaccour, der die Gruppe zusammen mit seinen Priestern und Mitarbeitern begrüßte. Nach einer allgemeinen Einführung über die griechisch-katholische Diözese gab es Raum für einen interessanten Dialog zwischen den Bischöfen und dem stellvertretenden Bürgermeisters von Haifa, Herrn Kulas Eliezer über die Stadt Haifa, die ein Symbol für die soziale Harmonie und den interreligiösen Frieden ist. Diese Stadt hat ihre Wurzeln in der biblischen Botschaft vom Berg Karmel und ist gleichzeitig als alte Hafenstadt zur Welt hin geöffnet. In diesem Zusammenhang übergab Bischof Marcuzzo Herrn Kulas im Namen aller anwesenden Bischöfe eine Kopie der Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag.

Danach lud Mgr Shaccour den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, der soeben die Besuchergruppe erreicht hatte, und alle übrigen Bischöfe und die Priester seiner Diözese zu einem typisch orientalischen Mittagessen ein. Weitere Priester und Ordensleute aus Haifa stießen ebenfalls zu der im Restaurant der Stella Maris versammelten Gruppe.

Ibbilin

Die dritte Station war Ibbilin, die Heimat der ersten modernen Seligen des Heiligen Landes, Sr. Maria des Jesus dem Gekreuzigten. Hier begrüßte Bischof Elias Shaccour die anwesenden Gäste, die er zu einem Forumsgespräch über die „Kirche der Bergpredigt“ eingeladen hatte: Bischöfe, muslimische Imame, drusische Scheichs und jüdische Rabbiner. Dabei erklärte er einige ausgewählte Ikonen und Fresken, die sich mit der friedlichen Koexistenz zwischen den Völkern und Religionen auseinandersetzen.

Bischof Shaccour führte dann seine Gäste in die Aula des der Maria Bawardi gewidmeten Gymnasiums, das als interreligiöses Forum gedacht ist. Insgesamt nahmen 15 Vertreter fast aller in Israel vertretenen religiösen Gemeinschaften, d.h. Christen, Juden, Muslime, Drusen und Ahmadites (muslimische Reformbewegung) an dem Treffen teil, zum dem das Sekretariat der ACOHL und der Rat der religiösen Führer in Israel eingeladen hatte. Zu diesem Treffen kamen ebenfalls etwa dreißig Priester, Ordensleute und Laien aus der Umgebung.

Bischof Marcuzzo stellte im Namen der übrigen katholischen Bischöfe das Thema der Begegnung vor und leitete auch die Diskussion. Er erinnerte dabei an einige der jüngsten Ereignisse des interreligiösen Dialogs und hinterfragte die Früchte dieser Begegnungen: „Das Treffen von Papst Benedikt XVI. mit dem Rat der religiösen Führer in Israel in Nazareth am 14. Mai 2009, die Begegnung in Assisi im Oktober vergangenen Jahres und die von Papst Benedikt XVI. gewährte Audienz desselben Rates am 10. November 2012 in Rom. Diese Treffen haben eine Reihe schöner Dokumente hervorgebracht und waren eine Gelegenheit der unterschiedlichen religiösen Führer, großartige Reden zu halten. Aber die wichtigste Grundfrage bleibt: Was passiert als Nächstes? Was tun wir, um das Gesagte in die Tat zu übersetzen? Was bedeutet der Dialog im konkreten Alltag?“

Beginnend bei diesen Fragen intervenierten ein Vertreter jeder Glaubensgemeinschaft: Prof. Fadhel Mansour für die Drusen, Scheich Samir Al-Assi aus Akko für die Muslime, Scheich Falah Odeh für die Ahmaditen des Berges Karmel und Rabbi Ronen Lubich aus Nir Etzion für das Judentum. Jeder ging in seiner Antwort auf die Aspekte der Toleranz, der Akzeptanz des Anderen und des Dialogs in seiner jeweiligen Gemeinden ein.

In der Vielfalt der gemachten Vorschläge fand sich ein Einvernehmen in drei praktischen Punkten: 1) Ausbildung religiöser Führer zum Dialog, 2) Arbeit in den Schulen, in diesem Sinne vor allem die Veränderung der Lehrbücher, 3) Mobilisierung der Jugendverbände und -bewegungen, die Kultur des Dialogs und der Zusammenarbeit zu verbreiten. Das sind Ziele, die durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen religiösen Gemeinschaften und der öffentlichen Hand erreicht werden können. Hierfür kommt dem Rat der Religionsführer in Israel eine wichtige Bedeutung zu.

Mgr Sayyah drückte seine tiefe Überzeugen aus, „dass der Einsatz zur Verbesserung der Beziehungen und für eine `Erziehung´ zu einem guten Zusammenleben ein entscheidendes Thema ist, das für uns alle in der Zukunft Priorität haben wird.“

Abschließend dankte Bischof Shaccour allen Teilnehmern mit den Worten: „Wir alle, Christen und Gläubige, gehören zum Heiligen Land. Wir sind Teil der Antwort und nicht des Problems“. Im Namen des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Antonio Franco, verteilte Bischof Marcuzzo allen Beteiligten eine Kopie der Botschaft des Papstes zum Welttag des Friedens: “Jugend zu Gerechtigkeit und Frieden erziehen“. Bei der Abfahrt fasste einer der Bischöfe der Koordination die Stimmung mit den Worten zusammen: „Wenn wir zurück in unsere Heimatländer kommen, können wir den Gläubigen unserer Diözesen sagen: Israel, Palästina und Jordanien sind nicht nur der Ursprung und Schauplatz von Problemen und Konflikten, so wie es uns einige Medien oft schildern. Hier setzten sich die religiösen Gemeinschaften und insbesondere die Kirche für die sorgfältige und gewissenhafte Suche nach einer friedlichen Koexistenz ein.“

Von unserem Korrespondenten in Galiläa